Michael Baune, "Wir Bürger meistern das", steht Rede und Antwort für "SPD-Nachrichten für Rhade"
1. Seit 1975 (Kommunale Neuordnung) ist Dorsten zur Flächenstadt geworden. War das gut für Dorsten? Oder für Rhade? Oder für Wulfen und Co.?
Es ist anders geworden und daraus ergeben sich spezielle Herausforderungen und Chancen. Wer in Dorsten Politik betreibt, muss berücksichtigen, dass es einerseits dörflich strukturierte Ortsteile und daneben städtisch geprägte Quartiere gibt. Das kann eine sehr spannende Mischung sein. So ist beispielsweise das soziale Miteinander in gewachsenen dörflichen Strukturen wie z.B. in Rhade naturgemäß viel stärker ausgeprägt als im innerstädtischen Bereich. Stadtteilentwicklung lässt sich "im Dorf" meist sehr viel schneller organisieren, da bereits viele Akteure über Jahrzehnte in Vereinen eng miteinander verbunden sind.
Also, elf unterschiedliche Ortsteile, elf unterschiedliche Ausgangslagen, aber das Ziel ist eigentlich immer das gleiche. Es geht, wie das Beispiel Rahmenplanung Rhade zeigt, immer darum, die verschiedenen Ortsteile nach den jeweiligen Bedürfnissen der Menschen vor Ort zukunftsfähig und lebenswert zu gestalten.
Das funktioniert nur mit den Menschen im Stadtteil, sie sind die Profis, wenn es um die Entwicklung "vor ihrer Haustür" geht. So unterschiedlich die Ideen und Zukunftsplanungen dann auch sein mögen, das Prinzip "Stadtteilentwicklung nur mit verbindlicher Bürgerbeteiligung" ist aus meiner Sicht für alle Ortsteile festzuschreiben. Die Chance besteht darin, gute Ideen auszutauschen und voneinander zu lernen. Das ist dann zum Wohle aller.
2. Dorsten wird im Mai einen neuen Bürgermeister wählen. Werden Sie alles anders oder vieles besser machen?
Sozialdemokratischer, möchte ich sagen. Bedingt durch die zwingend erforderliche Haushaltssanierung sind die Spielräume begrenzt. Allerdings besteht auch überhaupt keine Veranlassung, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich stehe dafür, den von einer breiten Ratsmehrheit getragenen Sparkurs fortzusetzen, jedoch mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß, um für die Zukunft Dorstens wichtige Strukturen im Sport, in Bildungs- und Kultureinrichtungen, im Schul- und Jugendbereich nicht zu zerschlagen. Einer Sparpolitik nach der "Rasenmähermethode" erteile ich eine klare Absage. Wo können wir in Dorsten besser werden, übrigens auch ohne dass dies viel Geld kosten muss? Den Bereich verstärkter Bürgerbeteiligung hatte ich bereits genannt. Die Schul- und Bildungspolitik muss endlich klare Strukturen bekommen. Ich will mich darüber hinaus für eine optimale Wirtschaftsförderung einsetzen, die bestehende Betriebe sichert, Neuansiedlungen fördert und Arbeitsplätze schafft. Aufgrund des demografischen Wandels können wir es uns in Dorsten nicht leisten, auch nur ein Kind ohne Schulabschluss, auch nur einen Jugendlichen ohne Berufsausbildung zurück zu lassen. Eines noch zum Thema "Zukunftsperspektiven": Hierzu gehört für mich auch die Verantwortung meiner Generation, unseren Kindern eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Die Themen Klima / Umwelt / Energie gehören daher zum Kernbereich meiner politischen Handlungsfelder.
3. Warum werden ehrenamtlich arbeitende Dorstener Parteimitglieder und/oder Funktionsträger nie bei der Dorstener Ehrenamtsgala erwähnt/geehrt?
Ehrlich gesagt, das habe ich mich auch schon gefragt. Denn unbestritten dürfte sein, dass sich Parteimitglieder -egal welcher Couleur- für die Stadtgesellschaft einsetzen und sicherlich gibt es unter ihnen einige, die dies in herausragender Form machen. Sie alle stellen sich in ihrer Freizeit in den Dienst für das Gemeinwesen und hätten insgesamt über alle Parteigrenzen hinweg für mein Gefühl mehr Wertschätzung verdient. Politik sei ein schmutziges Geschäft, höre ich bisweilen. Dem trete ich deutlich entgegen, insbesondere in der Lokalpolitik. Leider gibt es einzelne, die in der Politik ihr schmutziges Geschäft treiben und damit alle, die ehrenwerte Ziele verfolgen, in Misskredit bringen. Politik ist eben auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Also, es wäre in jeder Hinsicht ein gutes Signal, wenn man zukünftig im Rahmen der Ehrenamtsgala auch dem einen oder anderen Lokalpolitiker für seinen Einsatz danken würde.