3 Fragen an Stefan Diebäcker, Leiter der Lokalredaktion der Dorstener Zeitung

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Stefan Diebäcker, Dorstener Zeitung antwortet auf 3 Fragen der Rhader SPD

  1. Frage: Die Tageszeitung mit einem umfangreichen Lokalteil gehört zum Frühstück wie der Kaffee dazu. Wie viele Dorstener Haushalte denken und handeln noch so?

Antwort Stefan Diebäcker: Die Dorstener Zeitung hat derzeit etwa 18.000 Print-Abonnenten in Dorsten, Schermbeck, Raesfeld-Erle und Bottrop-Kirchhellen. In Dorsten sind wir seit über einem Jahr die einzige lokale Tageszeitung, in Schermbeck sind wir deutlicher Marktführer. Den Zusatz „Print“ habe ich bewusst gewählt: Denn wir berichten schließlich auch im Internet (www.DorstenerZeitung.de) über unsere Stadt, das ist ebenfalls Kerngeschäft unserer Redaktion.

  1. Frage: Der Lokalteil einer Zeitung soll informativ, spannend, unterhaltend und (gesellschafts)politisch sein. Können diese Erwartungen eigentlich täglich erfüllt werden?

Antwort Stefan Diebäcker: Diese Frage müssen eigentlich unsere Leser und Internet-Nutzer beantworten. Wir sind jedenfalls bemüht, alle von Ihnen genannten Kriterien tagtäglich zu erfüllen. Das ist manchmal abhängig von der Nachrichtenlage, manchmal auch von der Kreativität der Redaktion, wie wir Themen aufbereiten. Ein bisschen stolz war ich auf unsere 16-seitige Beilage zur Kommunalwahl. Da ist es uns tatsächlich gelungen, glaube ich, sehr komprimiert sowohl informativ als auch unterhaltend über Politik zu berichten. Letzteres ist gar nicht so einfach, Politik ist leider oft ein sehr trockenes Geschäft. Aber beispielsweise das „Interview ohne Worte“ mit Michael Baune und Tobias Stockhoff war richtig klasse – auch weil beide Bürgermeisterkandidaten so toll mitgemacht haben.

3. Frage: Die Parteien, auch auf kommunaler Ebene, haben ein echtes Nachwuchsproblem. Wie lautet Ihre Analyse dazu und was würden Sie den Parteien raten?

Antwort Stefan Diebäcker: Ich denke, dass die meisten jungen Menschen mit Politik nichts am Hut haben wollen, weil sie ihnen zu kompliziert ist, zu langweilig, scheinbar zu wenig Nutzen bietet, überwiegend von „alten Menschen“ bestimmt wird. Parteien tun gut daran, junge Leute über Projekte einzubinden – frei von irgendwelchen politischen Ideologien vor allem. Viele junge Menschen wollen und können sich nicht schon mit 16 oder 17 Jahren festlegen, welche Partei ihnen am meisten zusagt. Das kommt später. Das „Kandidatengrillen“ im Vorfeld der Kommunalwahl ist ein gutes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann. Gute Idee, gut umgesetzt – das war informativ, hat aber den vielen jungen Zuhörern auch richtig Spaß gemacht.

Warum nicht regelmäßig Partys für jungen Menschen organisieren, Ausbildungsmessen, Gesprächsrunden in Schulen, um auszuloten, was junge Leute wirklich bewegt? Ich erlebe das so: Wenn junge Leute ernst genommen und eingebunden werden, machen sie auch gerne mit.

Ein Beispiel: Wir haben seit Jahren eine Jugendredaktion in regelmäßig wechselnder Besetzung, die eigenständig unsere Jugendseite konzipiert, Themen recherchiert, für und über junge Menschen schreibt. Die wissen doch viel besser als ich, was junge Leute lesen wollen. Das Team hat auch eine eigene Facebook-Seite, um mit Gleichaltrigen zu kommunizieren, Themen zu erfahren, Fotos zu teilen. Da geht es überhaupt nicht darum, neue Abonnenten zu gewinnen, sondern jungen Leuten eine Plattform zu bieten und sie für das Thema Zeitung zu interessieren.

DANKE.

 
 

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