Deutschlandfest der SPD
„Am 22. September ist Bundestagswahl und ich will Bundeskanzler werden“, sagte Peer Steinbrück in einer mitreißenden Rede vor 300.000 Menschen beim Deutschlandfest der SPD am Brandenburger Tor. „Mich motiviert die Vorstellung von einem Deutschland, in dem das sozial Gerechte mit dem wirtschaftlich Vernünftigen verbunden wird.“
„Es ist ein fantastischer Blick von hier. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Peer Steinbrück zu Beginn seiner Rede auf der Hauptbühne am Brandenburger Tor, als er auf die 300.000 Menschen auf der Straße des 17. Juni blickte, die zum Deutschlandfest der SPD gekommen sind.
Steinbrück freute sich, dass die SPD ihren 150. Geburtstag vor diesem ehrwürdigen Ort feiert. Der Kanzlerkandidat erinnerte in seiner emotionalen, mitreißenden Rede daran, dass es Zeiten gab, „in denen es Sozialdemokraten unmöglich war, vor diesem Platz eine Rede zu halten.“ Beim 75. Geburtstag der SPD 1938 war die Partei von den Nazis verboten. Den 100. Geburtstag 1963 und den 125. Geburtstag 1988 habe die SPD am Brandenburger Tor nicht feiern können, weil die Mauer Deutschland teilte und die SPD im Ostteil des Landes verboten war.
„An unserem 150. Geburtstag endlich feiern wir hier.“
Dafür empfinde er große Dankbarkeit. Das Brandenburger Tor sei genau der richtige Ort für diese Feier, weil es wie kaum ein anderer Ort mit der Entwicklung der Demokratie in Deutschland und „der Geschichte und Entwicklung der Sozialdemokratie verbunden ist“, so der Kanzlerkandidat.
Seit 150 Jahren für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität
„Wir sind die Partei, die ihren Namen nie ändern musste“, betonte Steinbrück. Sozialdemokratische Politik werde von Werten geleitet, „die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und die auch morgen noch Richtschnur unserer Politik sein werden.“ Es gehe damals wie heute „um Freiheit und Demokratie, um Solidarität und den Zusammenhalt der Gesellschaft, um Gerechtigkeit und Respekt, um Frieden und Verlässlichkeit gegenüber unseren Nachbarn und Partnern“, stellte der Kanzlerkandidat klar.
Auch wenn die konkreten politischen Antworten stetem Wandel unterlägen, so änderten sich die grundlegenden Werte nicht: „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität werden auch die nächsten 150 Jahre unsere Politik bestimmen“, unterstrich Steinbrück. Und genau dies seien die Werte, „auf deren Basis ich mich bewerbe, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden“, so Steinbrück.
„Ich will Kanzler werden“
„Am 22. September ist Wahltag und ich will Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden“, rief Steinbrück unter tosendem Applaus. „Ich will Bundeskanzler werden, um mit Leidenschaft, Verantwortungsbereitschaft und mit Augenmaß Politik zu machen – und mit Klartext!“
Er wolle den politischen Stillstand der Merkel-Regierung überwinden. Er wolle, dass Deutschland politisch endlich wieder gestaltet wird und nicht mehr länger nur verwaltet. Er wolle wieder für mehr Gemeinwohlorientierung und Gemeinsinn sorgen. Es müsse wieder ins Lot gerückt werden, was in den letzten Jahren aus dem Lot geraten ist. „Mich motiviert die Vorstellung von einem Deutschland, in dem das sozial Gerechte mit dem wirtschaftlich Vernünftigen verbunden wird“, erläuterte der Kanzlerkandidat seine Vision von Deutschland.
Stark und gerecht
Er kämpfe für ein starkes Land, in dem jeder die gleichen Chancen hat und die Lebenswege für jeden offen stehen – und zwar unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder Elternhaus. Für ein starkes Land, in dem sich Anstrengung lohnt und in dem man von ehrlicher Arbeit anständig leben kann, und sicher ist, in Würde zu altern. Für ein starkes Land, in dem die Gesellschaft zusammenhält. „Das ist meine Vorstellung von einem starken Deutschland. Stark, weil es gerecht zugeht.“ Und stark, weil Politik gemacht wird, statt nur zu verwalten, brachte es Steinbrück auf den Punkt.
Zeit für den Aufbruch
„Für dieses Deutschland bin ich 1969 in die SPD eingetreten. Ich wollte mitmachen bei Willy Brandts Aufbruch in ein tolerantes, weltoffenes Land“, sagte der Kanzlerkandidat. Heute, über 40 Jahre später, sei es wieder Zeit für einen Aufbruch. „Denn diese amtierende Regierung steht still.“ Sie habe kein Ziel für Deutschland. Sie tue nichts dagegen, dass die Ungleichheit, die Finanzzockerei, die Niedriglöhne, und die Energiepreise aus dem Lot geraten, begründete Steinbrück.
Das zehre an der Substanz unserer Gesellschaft, weil die Menschen den Glauben daran verlieren, dass es gerecht zugeht in unserem Land, so Steinbrück. „Das darf nicht geschehen. Deshalb trete ich an: gegen den Stillstand, für einen neuen Aufbruch in diesem Land.“
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