Revolution in Rhade?

Veranstaltungen

Schützenverein (seit 1752) hat spannende Diskussion am Bein

„Einigkeit, Ordnung, Frohsinn“ lautet seit jeher das Motto der Rhader Schützenbrüder. Brüder, nicht Schwestern. Die Satzung schließt Frauen bisher aus der aktiven Mitgliedschaft und dem Schützendienst aus.

Noch zeitgemäß? Nein, mit Sicherheit nicht, so einige Rhaderinnen, die jetzt nach einem Bericht der Dorstener Zeitung, kurz vor dem Schützenfest aufbegehren.

Damit hat das diesjährige Rhader Volksfest das Thema schlechthin. Nicht wer König wird ist jetzt entscheidend, sondern die Frage, wie man mit dem Anliegen der mutigen Frauen umgehen soll. Mutig deshalb, weil dieses Thema schon viele Schützenvereine entzweit hat. Traditionalisten gegen Modernisierer. Vor einiger Zeit war es ein homosexuelles Königspaar im Münsterland, das für eine intensive öffentliche Diskussion und Bewegung bei den Schützen sorgte. Aber auch nicht mehr so prall gefüllte Zelte haben schon einige Schützenvereine zu vorher „undenkbaren“ Satzungsänderungen veranlasst. Einige haben sich von der jährlichen Festabfolge getrennt, andere nahmen dann doch Frauen als Mitglieder auf.

Wetten, dass? Wetten, dass diese jetzt losgetretene Diskussion auch in Rhade etwas bewirken wird? Nicht heute und morgen, aber übermorgen bestimmt.

Die Rhader SPD wünscht dem Schützenverein ein tolles Fest 2014 mit viel Spaß und Humor. Und den fortschrittlichen Rhader Frauen Erfolg auf der ganzen Linie.

Geschichte: Auszug aus WIKIPEDIA

In Deutschland gibt es 14.986 Schützenvereine (Stand 2011)

Der Schützenverein (auch Sportschützenverein oder Schützenbruderschaft) in seiner heutigen Form entstand im frühen 19. Jahrhundert im Gefolge der napoleonischen Kriege. Ihre Ursprünge haben sie in mittelalterlichen Städten, z. B. in der Karlsschützengilde in Aachen und den Nürnberger Schützengesellschaften. Älteste urkundliche Erwähnungen von Schützengilden stammen aus dem Jahr 1139 aus Gymnich und 1190 aus Düsseldorf. Die Mitglieder bestanden zunächst vielfach aus Kriegsveteranen, wie der bisherigen freiwilligen Heeresverbände, z. B. des Lützowschen Freikorps. Neben gesellschaftlichen und sozialen Aspekten kamen den Schützenvereinen lange Zeit auch politische Funktionen zu. Im Vormärz (1815 - 1848) wurden die Schützenvereine zu wesentlichen Trägern nationaldemokratischer Opposition gegenüber der einzelstaatlichen Fürstenherrschaft und blieben dies bis weit in die Gründerzeit hinein.

Mit ihrer Konzeption einer auf die deutsche Nation verpflichteten, intern nach demokratischen Prinzipien organisierten Bürgermiliz scheiterten sie jedoch am Erfolg der Bismarckschen Revolution von oben. Zugleich bekamen sie Konkurrenz durch die Kriegervereine, die sich schließlich im Kyffhäuserbund zusammenschlossen und für lange Zeit wesentlich erfolgreicher den „Militarismus der kleinen Leute“ (Thomas Rohkrämer) zu organisieren verstanden. Durch eine Anpassung dieses neuen Reichsnationalismus vermochten die Schützenvereine zu überleben, wenngleich ihre politische Funktion immer mehr in den Hintergrund trat.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie kamen in Deutschland grundlegend neue Formen radikaler Wehrverbände auf, von denen die SA der NSDAP die schließlich erfolgreichste war, und die die Jugendkultur der Weimarer Republik wesentlich mitprägten. Sie anzunehmen gelang den Schützenvereinen nur noch sehr bedingt. Die demokratischen Verflechtungen des überlieferten Vormärz-Nationalismus mancher Vereine standen in Widerspruch zu der autoritären, nach dem Führerprinzip organisierten Struktur der meisten Wehrverbände. Dennoch passten sich die Schützenverein in organisatorischer, personeller und inhaltlicher Ebene ab 1933 an das herrschende System an, wobei der Nationalismus das gemeinsame Bindeglied war und die Basis für die Zustimmung zur NS-Gemeinschaft bildete. Dies äußerte sich auch im freiwilligen Ausschluss jüdischer Vereinsmitglieder bereits ab 1933 und in der vormilitärischen Schießausbildung der männlichen Bevölkerung. Die Vereine stellten zudem der Hitlerjugend und der SA ihre Expertise und Infrastruktur zur Verfügung, auch in den Kriegsjahren.

Nach der Kapitulation der Wehrmacht verboten die Alliierten die Schützenvereine als uniformierte Waffenträger zunächst ganz. Erst Anfang der 1950er-Jahre wurden sie in der alten Bundesrepublik wieder zugelassen. In der DDR blieben sie untersagt.

Die lange Zeit der Unterbrechung führt allerdings bis heute zu einer schwächeren Ausprägung in der Organisations- und Mitgliederstruktur als in den meisten alten Bundesländern. Doch auch dort konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht immer nahtlos an alte Traditionen angeknüpft werden. Die Diskreditierung jedweder Form von Nationalismus war dafür nach 1945 zu stark. Hinzu kam mit dem politisch-gesellschaftlichen Umbruch der 1968er-Bewegung auch die Problematisierung des traditionellen militärischen Habitus der Schützenvereine.

 

 
 

WebsoziCMS 3.9.9 - 007110089 -