Ich lese gerade (wieder) „1984“ von George Orwell und finde ganz zu Beginn folgende Zeilen:
„Gestern Abend im Kino. Lauter Kriegsfilme. Ein sehr guter dabei, über ein Schiff voller Flüchtlinge, das irgendwo im Mittelmeer bombardiert wird …“ Und etwas weiter: „Dann sah man ein Rettungsboot voller Kinder, und darüber kreiste ein Helikopter… Ein kleiner Junge schrie vor Angst, … die Frau legte die Arme um ihn und tröstete ihn, obwohl sie selbst vor Angst schlotterte … Dann pflanzte der Helikopter eine 20 Kilo-Bombe zwischen sie … Und das Boot war nur noch Kleinholz“.
Wer die aktuelle Diskussion über das Flüchtlingsdrama im und um das Mittelmeer verfolgt, und die neuesten Vorschläge über den Einsatz von griechischer Kriegsmarine (Ex-Innenminister Friedrich), deutscher Bundesmarine (v. d. Leyen), sowie das laute Denken über einen Schießbefehl (AFD) gegen Flüchtlinge an unser Grenze wahrnimmt, kommt ins Grübeln. Bedrückend, was George Orwell in seinem Welterfolg, den er 1948 (!) geschrieben hat, bereits „gesehen“ und in „1984“ verarbeitet hat.
Dirk Hartwich