Panama-Papers - Reich, superreich, gierig

Gesellschaft

Wenn ein Briefkasten erzählt

„Eigentlich bin ich ganz unscheinbar. Ich bestehe aus einer Einwurfklappe und einem kleinen Auffangbehälter dahinter. Der Name meines Briefkastens sagt nur den Menschen etwas, die nie öffentlich auftauchen. Obwohl ich in fantastischer Umgebung auf einer verwunschenen Insel irgendwo in der weiten Welt in einem unscheinbaren Gebäude eingebaut wurde, kommt bei mir nie oder selten Post an. Es gibt auch keinen Klingelknopf, um nachzufragen. Aber ich bin wichtig und ungemein wertvoll. Ich vertusche nämlich illegale Geldströme von Einflussreichen und Superreichen. Obwohl die eigentlich schon genug haben, sind sie gierig. Sie wollen einfach nicht mit den normalen Menschen, die für ihre Einnahmen Steuern entrichten, damit davon Bildung, Gesundheit, Infrastruktur … bezahlt wird, in einen Topf geworfen werden. Sie wollen nicht teilen. Sie wollen schlicht den Staat „bescheißen“. Pardon, ein Wort, das mir so rausgerutscht ist. Jetzt haben Presseleute, die auch als 4. Gewalt eines demokratischen Staates bezeichnet werden, das Geheimnis unserer Briefkastenkommune öffentlich gemacht. Nicht nur unsere Eigentümer sind darüber sauer, auch wir Briefkästen sorgen uns um unsere Zukunft. Aber vielleicht ist es gut, dass jetzt alles rauskommt. Wir Briefkästen konnten nämlich, ganz im Gegenteil zu unseren Eigentümern, in letzter Zeit nicht mehr ruhig schlafen. Sicherlich wird es für uns eine Auffang- und Umschulungsgesellschaft geben. Vom Steuerzahler finanziert. Ist doch klar. In diesem Sinne blicken wir „Schlitzohren“ der Zukunft hoffnungsvoll entgegen“.

Eigener Bericht

 
 

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