Ein modernes und nicht ganz unpolitisches Märchen
Es war einmal ein junger König der ein kleines Land mit wenigen Untertanen regierte. Sein innigster Wunsch war, von allen kritiklos geliebt zu werden. Von allen! Schon als Kronprinz konnte er kaum abwarten, auf den Thron zu steigen. So hat er mit Hilfe einiger Hofschranzen den alten König, der eigentlich noch gar nicht richtig abdanken wollte und beim Volk sehr beliebt war, vorzeitig „in Rente geschickt“. Nun war er oben und konnte sich rege und beredt in Szene setzen. Trotzdem gab es in seiner Umgebung Diener, die auch schon mal widersprachen. MAJESTÄTSBELEIDIGUNG! Das geht gar nicht. Seine Durchlaucht strafte selten offen. Dazu gab es ausreichend Helfer am Hofe, die gebückt und unterwürfig hofften, so Karriere zu machen. Aber was noch viel schlimmer in den Augen des jungen Königs war, es gab tatsächlich Untertanen die es wagten, mit eigenen Ideen auf dem Marktplatz zu werben. Einfach so und auch noch öffentlich! Er erkannte sehr schnell, dass damit seine angestrebte 100-Prozent-Beliebtheit Schaden nehmen könnte. Immer dann, wenn so etwas Ungeheuerliches geschah und Flugblätter für Verbreitung über den Marktplatz hinaus sorgten, zeigte er sein wahres Gesicht. Seine Majestät verlor dann seine lang antrainierte Contenance und suchte nach Wegen der Diskriminierung und Verbannung der Frevler. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Beste und Beliebteste im ganzen Land?“ Diese Frage stellte er in regelmäßigen Abständen seinem Volk. Natürlich in Erwartung einer positiven Rückmeldung. Der König wird aber nur dann ein guter König werden, wenn er sich ändert und besonders auch in Krisenzeiten „mit ruhiger Hand“ sein Zepter schwingt. Da hatte er nämlich in der Vergangenheit große Schwächen gezeigt, die nicht unbemerkt blieben. Nicht wenige seiner Untertanen wollen dem jungen König deshalb bei nächster Gelegenheit die Zustimmung verweigern und ihm den Spiegel der Fairness entgegenhalten.
Wichtiger Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.