
Gastkommentar von Dr. Hans-Udo Schneider
Eine angemessene und bezahlbare Wohnung zu finden, ist für viele Familien ein nahezu unlösbares Problem. Hinzu kommt: Zwanzig Prozent der Kinder sind von Armut betroffen. Und immer mehr Menschen brauchen die Lebensmittel der Tafel, um über die Runden zu kommen. All das führt zu Abstiegsängsten, Unsicherheit und Isolation. Eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist so kaum möglich.
Studie der Hans-Böckler-Stiftung
Und es sind exakt diese Gründe, die den Aufstieg der AfD erst möglich gemacht haben. Das jedenfalls belegt eine fundierte Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Sie kommt zu der Feststellung, wer die AfD bekämpfen will, muss „ökonomische und gesellschaftliche Krisen“ bekämpfen.
Die Misere auf dem Wohnungsmarkt steht dafür exemplarisch. Besessen vom neoliberalen Wahn privatisierten Bund, Land, Gemeinden, Bahn und Post und viele andere in den Jahren nach 2000 ihre Wohnungsbestände. Das Versprechen, die Mieter sollten keine Nachteile erleiden, erwies sich zumeist als Schall und Rauch. Die privatisierten Wohnungen wurden zum Objekt der Spekulation. Mehr noch, für Gesellschaften, die Kasse machen wollen, sind Instandhaltung, Sanierung, Betreuung der Mieter lästige Kosten. Auf der anderen Seite stehen steigende Mieten und Nebenkosten und immer weniger Sozialwohnungen. Staat und Gesellschaft haben versagt und einen wichtigen Teil der Bevölkerung abgehängt. Ein Umsteuern ist notwendiger denn je. Das gilt auch für Dorsten.
Notwendige „Bausteine“ für eine Kehrtwende:
- Die Dorstener Wohnungsgesellschaft muss sich viel stärker auf dem heimischen Wohnungsmarkt engagieren.
- Kommunale Grundstücke sollten vorwiegend dem Sozialen Wohnungsbau vorbehalten bleiben
- Genossenschaftliches Bauen muss gefördert werden
- Der Aufbau einer Wohnungstauschbörse ist ein Instrument zur passgenauen Wohnungsvermittlung
- Die privaten Wohnungsgesellschaften sind durch die öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen (Sanierung, Gestaltung und Pflege des halböffentlichen Bereichs, umweltfreundliche Energieversorgung).
Nur so kann Vertrauen zurückgewonnen werden. Die Gemeinschaft der Demokraten erweist sich nämlich zu allererst in auskömmlichen Löhnen und bezahlbarem Wohnraum für alle. Würde auch hierfür gemeinsam demonstriert, dann wären Aktionen gegen rechtsextreme Populisten auf dem Marktplatz noch effektiver und glaubwürdiger.