Corona-Pandemie: Sorgen nicht im Alkohol ertränken

Gesundheit

Blaues Kreuz bietet Hilfe an

In einem beeindruckenden Artikel der Dorstener Zeitung (25.11.) über die abhängig machende Droge Alkohol, kommen die Vorstandsmitglieder des Blauen Kreuzes Wulfen (BKE) Jan Kolloczek, Berthold und Christa John zu Wort. Während die Erstgenannten die Suchtkrankheit selbst erlitten und überwunden haben, weiß Christa John, die die Angehörigengruppe leitet, erschütternd zu berichten, wie zerstörerisch sich Alkohol auch auf die engsten Familienmitglieder auswirkt. Alle drei eint, ihre Erfahrungen ehrenamtlich in der Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz Wulfen einzubringen und Leidensgenossen Hilfestellung bei der Bewältigung ihres Problems anzubieten. Hat sich ein Betroffener nach langer Leidenszeit endlich überwunden die Krankheit als solche einzuräumen, bietet die Selbsthilfegruppe aktiven „Flankenschutz“ durch Gespräche und Treffen in der Gruppe. Ein besonderes Problem, so Christa und Berthold John sowie Jan Kolloczek, besteht momentan in der Corona-Zeit. Die Gefahr nämlich jetzt in der Isolation rückfällig zu werden, ist nicht von der Hand zu weisen, schreibt Claudia Engel, Redakteurin der Dorstener Zeitung in ihren Artikel, der die passende Überschrift „Volle Pulle“ zurück in die Sucht: Lockdown macht Alkoholkranke fertig“. Jan Kollozcek, Christa und Berthold John verdienen für ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft unseren Respekt und unsere soldarische Unterstützung. Wir veröffentlichen den lesenswerten Artikel der DZ in voller Länge, sowie wichtige Kontaktdaten der BKE am Ende. 

„Volle Pulle“ zurück in die Sucht: Lockdown macht Alkoholkranke fertig   (bitte mehr anklicken)

Wulfen-Barkenberg, Dorsten. Die Coronakrise treibt viele Menschen an den Rand ihrer Möglichkeiten. Alkoholkranke leiden sehr. Denn im Lockdown trocken zu bleiben, ist eine harte Bewährungsprobe. Von Claudia Engel


Jan Kolloczek ist trockener Alkoholiker. „Ich bin 17“, sagt er. Mit 17 bezeichnet der Barkenberger die Anzahl der Jahre, die er abstinent lebt, also ohne Alkohol. Das gelingt aber längst nicht allen Suchtkranken, wie er aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Blauen Kreuz in Wulfen weiß. „Einige sind in der Lockdownzeit leider rückfällig geworden“, sagt er.  Weil keine Treffen der Selbsthilfegruppen stattfinden können und größere Gruppentreffen mit mehreren Teilnehmern in geschlossenen Räumen im Lockdown aufs Eis gelegt werden müssen, machen trocken gewordene Alkoholiker das, was ihnen und ihren leidgeprüften Angehörigen besonders schadet: „Sie greifen zur Flasche und trinken wieder“, so Kolloczek.

Den Rückfall vermeiden und trocken Spaß haben

Ihnen zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen, damit sie nicht rückfällig werden, hat sich das Blaue Kreuz auf die Fahnen geschrieben. Ab sofort gibt es beim Blauen Kreuz, zunächst noch auf Landesebene, eine virtuelle Suchtselbsthilfe. „Wir wollen das für Wulfen auch auf die Beine stellen“, kündigen Jan Kolloczek und sein Mitstreiter Bertold John an. Auch John ist ein ehemaliger Alkoholiker.

Seit 20 Jahren ist John trocken und weiß deshalb, dass das Trockenbleiben harte Arbeit ist und ohne Unterstützung schwer fällt. „Ohne Selbsthilfegruppe hätte ich das nichts geschafft“, sagt John. „Die Zeit nach der Alkoholentwöhnung und stationären Therapie sollte kein Mensch allein bewältigen. Wenn ein Betroffener oder eine Betroffene von sich aus einen Schlussstrich ziehen möchten, dann kann er sich gerne an uns wenden. Wir stehen als Gesprächspartner bereit“, so John und Kolloczek. Wichtig seien aber Vorsatz und Wunsch, das Trinken von Alkohol zu lassen. „Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung für die weitere Zusammenarbeit.“ Die Suchtberatung des Caritasverbandes in Dorsten arbeitet eng mit den Selbsthilfegruppen zusammen. Denn professionelle Begleitung der Alkoholkranken können nur sie leisten. Die Selbsthilfegruppe springt un- terstützend mit ein.

Mog (www.mog-bke.de), so heißt die Online-Gruppe des Blauen Kreuzes, Landesver- band NRW. Über Mog können sich trockene Alkoholiker oder solche, die es werden möchten, austauschen. „Das ist ein Stück weit anonymer als bei einem reellen Grup- pentreffen und kommt einigen vielleicht sogar entgegen“, meinen John und Kolloczek. Vertrauensschutz wird groß geschrieben. „Inhalte der Gespräche werden nicht weitergegeben.“

Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Tod

John und Kolloczek treffen sich in der Lockdown-Zeit weiterhin - denn aus den ersten Kontakten in der Selbsthilfegruppe ist eine echte Freundschaft erwachsen. „Wir haben ohne Alkohol schon viele tolle, fröhliche Begegnungen gehabt“, sagt Kolloczek. Aber auch traurige Abstürze von Wegbegleitern miterleben müssen, bei denen der Rückfall zu Trennung, Arbeitsplatzverlust oder sogar zum Tod der Betroffenen geführt haben.

Darüber werden Angehörige von Alkoholikern häufig vernachlässigt. Denn sie leiden heftig - aber anders als der Suchtkranke. Christa John beschreibt das so: „Eine Familie ist wie ein Mobile. Eine Flasche zieht nach unten, Partner und Kinder gehen nach oben.“

Das Lügen für den Alkoholkranken, die innere Zerrissenheit, die Scham und der Wunsch, diesen instabilen, an einer Flasche hängenden Verhältnissen zu entrinnen, quälen das Umfeld. Die Angehörigengruppe ist deshalb für die Familien da. Kontakt über die E-Mail eines weiteren Vorstandsmitglieds ist möglich: a.wueller@bke-wendepunkt.de

Kontakte: 

        Berthold John                              Christa John

( Betroffenengruppe)                       (Angehörigengruppe)

     Tel. 02866 4299                              Tel. 02866 4299

Mobil 0176 54772256                     Mobil 0176 47620592

Nachsatz: 

Der Zeitungsartikel fand bereits positive Resonanz.  Die Leiterin des Gemeinschaftshauses Wulfen hat sich gemeldet. Ab sofort finden dort in der Corona-Zeit die Gruppenstunden der Selbsthilfegruppe des BKE-Wulfen unter Einhaltung der Coronavorschriften statt. (Berthold John)

 

 

 
 

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