Der Dorstener Abschiebeskandal

Kommunalpolitik


Dirk Hartwich hat die Ratssitzung beobachtet und kommentiert aus seiner Sicht

Leid – Selbstmitleid – Demut
Eine Betrachtung von außen

Der Sachverhalt ist klar und bekannt, die Aufarbeitung im Rathaus in vollem Gange. Eine Entschuldigung gegenüber der zu Unrecht ohne ihr Kind abgeschobenen Angolanerin wurde formuliert und von ihr angenommen.
Inzwischen wurden auch die Ratsmitglieder im Sozial- und Haupt/Finanzausschuss sowie im Stadtrat informiert und nachträglich beteiligt.
Die Verwaltungsvorlage ist selbstkritisch und zeigt geplante organisatorische Verbesserungsvorschläge auf.
So weit so gut?

Nein, ich meine nicht ganz.
Nach wie vor ist nicht zu verstehen und fast nicht zu glauben, dass sich die Leiterin des Ausländeramtes zutraute und zumutete, so einen gravierenden Fall, der jahrelang die eigene Arbeitskraft über Gebühr fesselte, alleine, ohne die Einschaltung des Amtleiters, des 1. Beigeordneten und des Bürgermeisters abzuwickeln.

Das Leid, das der Frau zugefügt wurde, ist nicht gutzumachen.
Dieser schnörkellosen Bewertung durch den Bürgermeister ist nichts hinzuzufügen.
Auch waren seine persönlichen Ausführungen, die sich auf den Kern des Verwaltungsfehlverhaltens und des erlittenen Leids der Mutter und des Kindes bezogen, absolut nachzuvollziehen und an Deutlichkeit nicht zu überbieten.
Die jetzt noch offenen Fragen sollten durch Akteneinsicht und eine neutrale Untersuchung zu klären sein.

Überflüssig war aber, sich danach mit der öffentlichen Kritik zu beschäftigen. Dabei wurde fein selektiert nach guter und nicht akzeptabler Kritik.
Ein Satz, dass es nachvollziehbare und weniger bis abzulehnende Kritiken gegeben hat, wäre der Sache angemessen gewesen.
So geriet, nach sehr gutem Beginn und dem Zitieren aus unterschiedlichen kritischen Stellungnahmen, das eigentliche Thema, nämlich das Leid der Mutter und ihres Kindes in den Hintergrund. Stattdessen rückten plötzlich die Arbeitsbedingungen des Amtes und die persönliche Rechtfertigung des Bürgermeisters in den Fokus der Betrachtung. Eine Form von Selbstmitleid breitete sich aus.
Die anfangs erkennbare Demut verlor dadurch an Glanz.

Dirk Hartwich

 
 

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