Der Nachfrageerfolg der Tafel darf auch als Armutszeugnis der Gesellschaft bewertet werden

Gesellschaft

2005 waren es 0,5 Mio. Nutzer - 2022 bereits 2 Millionen

Lange glaubte der Rhader Autor dieser Zeilen, dass die Tafel eine übertriebene „Goodwill-Aktion“ sozial engagierter Menschen war. Also ein kurzfristiges Phänomen. Inzwischen beweisen die Zahlen, dass es ernst ist. Sehr ernst. 963 Tafeln mit über 2000 Ausgabestellen gibt es inzwischen bundesweit. Auch in Dorsten. 60.000 ehrenamtliche Helfer organisieren und verteilen 265.000 Tonnen Lebensmittel jährlich. Von den jetzt 2 Millionen Nutzern sind 28% Kinder und Jugendliche, 24% Senioren und 48% Erwachsene. Unser Sozialstaat müsste eigentlich Armut dieser Art verhindern. Er scheint schlicht überfordert zu sein, die breit gefächerten Notlagen der Bevölkerung frühzeitig zu erkennen, um gegenzusteuern. Die Tafeln sind so (über)lebensnotwendig geworden. Zwei Gedanken begleiten diesen Text.

  • Die Parteien, die Politik, die Parlamente und die Regierungen müssen schneller auf Notlagen reagieren. Ob Altersarmut oder Flüchtlingskrise - kein Mensch darf in Deutschland zum Bettler von Lebensmitteln werden.
  • Tafeln sind momentan ein sichtbares Armutszeugnis unserer gesamten Gesellschaft. Den Helfern und Spendern ist ihr Engagement sehr hoch anzurechnen. Unsere (SPD)-Aufgabe ist es dennoch, durch vorausschauende Sozialpolitik die Tafeln überflüssig zu machen.

Eigener Bericht auf Grundlage des ZEIT-Berichtes „Armutszeugnis“ vom 16.2.2023

 
 

WebsoziCMS 3.9.9 - 007132856 -