Israelischer Selbstverteidigungskrieg gerät zunehmend außer Kontrolle
Die Schuld, die Deutschland während des Naziterrors u. a. gegenüber Menschen jüdischen Glaubens auf sich geladen hat, zwingt zu dauerhafter Kollektivscham. Darüberhinaus lautet unser Versprechen, als Staatsraison definiert, dem Staat Israel uneingeschränkt zur Seite zu stehen, um sich gegenüber kriegerischen Nachbarstaaten und mörderischen Terrorgruppen selbst verteidigen zu können. Dieser Selbstschutz versagte am 7. Oktober 2023. Vom Iran unterstützte Hamas-Terroristen stiegen über Grenzzäune und mordeten blindwütig 1200 Menschen und verschleppten weitere 200, von denen nur wenige die anschließende Geiselnahme überlebten. Weltweites Entsetzen war die Folge. Israel schwor nachvollziehbar Rache, die freie demokratische Welt, darunter selbstverständlich Deutschland, sicherte moralischen Beistand und finanzielle Unterstützung zu. Um die Geiseln zu befreien, musste der Gazastreifen militärisch beherrscht werden. Dass dabei keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen wurde, dass ihre Häuser dem Erdboden gleich gemacht wurden, dass sogar Hunger als Waffe eingesetzt wurde, ließ die moralische Unterstützung von außen bröckeln. Nun hat Israel entschieden, den Begriff Selbstverteidigung in permanente Vorwärtsverteidigung zu verändern. Ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in Gaza und dem Libanon. Das muss kritisiert werden. Nicht diplomatisch verbrämt, sondern in Klartext. Unsere o. a. Staatsraison schließt nicht aus, gravierende Menschenrechtsverletzungen durch den Israelischen Staat auch als solche zu benennen.
Rhader Nachdenzeilen zum andauernden Krieg in Nahost