Waren es nach 1945 nur eine Handvoll Parteien, die um Einfluss und Regierungsmacht konkurrierten, sind es heute so viele, dass der Wahlzettel XXL-Format hat. Lange dominierten nur die Volksparteien CDU und SPD. Als Dritter im Bunde, immer an der Absturzkante lavierend, gehörte die FDP dazu. Dann traten frisch, frech und unverbraucht Grüne auf der Parteienlandschaft auf. Anfangs belächelt, mutierten die vielfach als Spontis bezeichneten Akteure zu ernst zu nehmenden Politikern. Mit dem Glücksfall der deutschen Wiedervereinigung war auch die Erbschaft der SED-Nachfolgepartei PDS verbunden, die nach weiteren Häutungen aktuell als LINKE firmiert. Parallel wuchs am rechten Rand zusätzlich eine neue Partei, Wahlalternative genannt, heute als AfD in aller Munde. Die gewachsene Parteienlandschaft sorgte für Verluste bei den inzwischen sogenannten Altparteien. Diese zeigten Nerven, wechselten in immer kürzeren Abständen Personal und Programm. Profiteure sind aktuell die neuen Parteien, die sich an den Rändern, rechts und links gebildet haben. Die FDP ist fast nur noch Erinnerung. Die SPD verliert weiter Mitglieder und Einfluss. Nun hat es auch die CDU/CSU erwischt. Die Verzweiflung beider Volksparteien kommt einer Ohnmacht gleich. Ein Blick über unsere Grenzen zeigt, dass die eingesetzte Erosion bei unseren demokratischen „Alt“Parteien ebenfalls das Potenzial für totale Bedeutungslosigkeit in sich birgt. Das nicht weiter zu negieren, wäre der Grundstein zum Überleben.
Nachdenkzeilen aus Rhade