Die kleine Geschichte hinter der Geschichte

Gesellschaft

Wer war der „Schlächter von Warschau“ und warum wird an ihn mit einer kleinen Tafel am Rathaus in Westerland/Sylt erinnert?

Vor 80 Jahren wehrten sich die Polen in Warschau gegen die menschenverachtende Besatzung durch die deutsche Wehrmacht. Nach 63 Tagen kapitulierten sie vor der unglaublichen Übermacht. Hitler befahl danach der SS, Vergeltung zu üben und alle Polen in der Stadt sofort hinzurichten. Als Einsatzleiter bestimmte Himmler den SS-General Heinz Reinefarth, der in Polen mit dem Zusatz, „Schlächter von Warschau“, genannt wird. Er leistete „ganze Arbeit“. 150.000 polnische Zivilisten, darunter Kinder und Greise wurden brutal ermordet. Dann wurde die Stadt in Schutt und Asche gelegt. Heute vor 80 Jahren. Frank-Walter Steinmeier, unser Bundespräsident, verneigte sich nun vor Ort vor den Opfern und bat um Entschuldigung und Vergebung im Namen des deutschen Volkes. Zurück zu Heinz Reinefarth. Nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft, verspricht er mit dem US-Geheimdienst zu kooperieren. 1948 wird er erfolgreich entnazifiziert, lässt sich als Rechtsanwalt auf Sylt nieder und 1951 für 13 Jahre zum Bürgermeister von Westerland wählen. Als seine Vergangenheit öffentlich thematisiert wird, zieht er sich von allen öffentlichen Ämtern zurück, bleibt aber als Anwalt tätig. Er wird 1979 in Keitum/Sylt beigesetzt. Auf der erwähnter Erinnerungstafel am Westerländer Rathaus wird Heinz Reinefarth u. a. als Kommandeur einer Kampfgruppe bezeichnet, der mitverantwortlich für das Verbrechen in Warschau sei. Das ist aber weniger als die halbe Wahrheit.

Eigener Bericht auf Grundlage des ZEIT-Artikels „Eine deutsche Karriere“ vom 18.07.2024

 
 

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