Campaign Camp: Wie die SPD die Welt verändern will
Leute motivieren und die Welt verändern. Wie macht man das? Auf dem Campaign Camp der SPD erklären prominente Redner wie Jim Messina, wie man Wahlen gewinnen kann.
Inzwischen ist die SPD Marktführer in Sachen Beteiligung und Mitbestimmung. Davon ist Generalsekretärin Yasmin Fahimi überzeugt und stellt es mit einem großen Event unter Beweis. Am Samstag lud sie zum ersten Treffen für die Mobilisierung in der Nachbarschaft, zum Campaign Camp 2015 ins Berliner Gasometer. Unter dem Motto „Wer Visionen hat, sollte Kampagne machen" bot die Veranstaltung ein Forum für engagierte Genossinnen und Genossen wie für Nichtmitglieder, um sich auszutauschen – über neue Ideen der Kampagnenarbeit vor Ort genauso wie über Trends der politischen Kommunikation. Denn in Nachbarschaftskampagnen lassen sich viele Ideen zusammenbringen, sagte Fahimi. Ihr Ziel sei es, über Kampagnen zu reden, die nicht nur ein Saisongeschäft sind. Vielmehr möchte sie das „große Gespräch mit der Gesellschaft führen“ und die „Deutungshoheit in diesem Land gewinnen“.
Wie können wir Wahlen gewinnen?
Damit setzt sich die SPD-Generalsekretärin große Ziele. Denn wie kann man die Fähigkeit erlangen, Aufmerksamkeit für Dinge zu erreichen, von denen die Genossinnen und Genossen überzeugt sind? Wie lassen sich Menschen motivieren? Und: Wie lassen sich Wahlen gewinnen?
Einer, der weiß, wie man Kampagnen organisiert und Wahlen gewinnt, ist Jim Messina. Menschen müssen Entscheidungen treffen, erklärte der Wahlkampfleiter in der Obama-Kampagne 2012. Das wichtigste Kriterium dabei sei, wie die Familie und wie die Freunden darüber denken. „Wenn also jeder im Saal seinen Freund überzeugt, zu wählen, dann können wir gewinnen“, erklärte er den zahleichen Besuchern des Campaign Camps. Mit Freunden und der Familie zu sprechen sei 700 Mal effektiver als jede teure Werbeaktion, weiß Messina „Die Wahl gewinnst Du, wenn deine Mutter dich sieben Mal anruft, um Dich zu überzeugen, wählen zu gehen, obwohl du Wahlkampfleiter bist.“ Natürlich brauche man das Internet zur Vernetzung, doch letztendlich sei die Technologie nur Werkzeug, „Erst kommen die Inhalte“, sagte er. Wir müssen uns fragen, „welche Geschichte wir erzählen wollen und wo man das Land in Zukunft hinbringen will.“
Botschaften und Inhalte
Dass es klare Botschaften braucht, davon ist auch Frank Stauss von der Agentur BUTTER überzeugt. Im Gespräch mit Yasmin Fahimi sorgte er für gute Stimmung. "Ich habe 16 Jahre Kohl erlebt, ich will das nicht nochmal erleben", sagte er. In Richtung SPD-Spitze sagte Stauss: "Wir brauchen auch ein klares Signal: Wir wollen die Nummer eins sein. Nur so entsteht eine Bewegung."
Jan Larsson, der 2013/2014 erfolgreich den Wahlkampf der schwedischen Sozialdemokraten leitete, lobte die persönliche Ansprache: „Wenn wir Wahlen gewinnen wollen, müssen wir an die Türen klopfen“, erklärte Larsson.
Dass nichts das persönliche Gespräch ersetzt, davon ist auch Frank Stauss überzeugt. Die SPD muss das Engagement der Leute nutzen, zum Beispiel aktuell die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen. Sie muss auf Vereine und Organisationen zugehen, so Stauss. Es müsse deutlich werden, dass „wir Politik verändern, wenn wir Wahlen gewinnen“.
Doch mit welcher sozialdemokratischen Erzählung will die SPD punkten? Mit dem Mindestlohn, der Frauenquote oder der Mietpreisbremse habe die SPD viele Erfolge errungen, erklärte Fahimi. Diese Einzelmaßnahmen gelte es nun wie Perlen zu einer Kette zusammenzubinden. Markenkern der SPD seien die Themen Arbeit und soziale Gerechtigkeit. „Wir müssen die Geschichte der Arbeit erzählen“, so Fahimi.
Stauss ist zuversichtlich, dass die SPD die Partei ist, die die Herausforderung der Zukunft am besten meistern kann. Dieses Land sei im Aufbruch und in einer Phase der großen Veränderung, ist er überzeugt. Um diese Veränderungen zu bewältigen, brauche das Land eine Partei, die nicht am Gestern festhalte und den Kopf in den Sand stecke, sondern nach vorne schaue.
www.vorwaerts.de von Vera Rosigkeit. Die Diplom-Politologin ist Redakteurin beim vorwärts.