Wer kennt das nicht? Ob im Berufsleben, als Kirchenmitglied oder Fan eines Sportvereins - wenn etwas schief läuft, wird die Vertrauensfrage gestellt. Haben die handelnden Akteure noch die Kraft, das Steuer in Richtung Zufriedenheit herumzureißen? Im Konzern wird der Vorstand ausgewechselt, in der Kirche der Bischof im Kloster geparkt, im Sport der Trainer entlassen. Auch im Privatleben ist die Trennung keine Seltenheit, fehlt das Vertrauen in die Partnerschaft. Nach diesen Vorbemerkungen, zur Politik, den Parteien, den Politikern, der Demokratie. Eine Vertrauenskrise hier, wiegt viel schwerer als bei den aufgeführten Beispielen. Die damit einhergehende Blockade reißt nämlich alle mit, besser, lähmt unsere gesamte Gesellschaft. Die Vertrauenskrise bricht aber nicht plötzlich über uns und unser Land herein. Sie kommt schleichend, erfasst erste Bereiche, wird von Gegnern unserer freiheitlichen Grundordnung verstärkt, nimmt dann richtig Fahrt auf, bis sie unkontrolliert mäandert. Und genau an dieser Stelle scheinen wir zu stehen. Egal, was momentan eine demokratische Partei sagt, egal was Politiker tun, sie werden nicht (mehr) gehört, weil sie von vielen nicht mehr angehört werden wollen. Eine fatale Entwicklung, die an den Grundfesten unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung rüttelt. Dieser Appell endet aber nicht mit der einseitigen Aufforderung, nur die ins Visier geratenen Politiker müssen sich ändern, sondern mit der Bitte, auch selbst in den Spiegel der Selbstgerechtigkeit zu blicken.
Wochenendgedanken aus Rhade