Dorsten und der Fall Paul (11) – Eine persönliche Einschätzung

Kommunalpolitik

Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Life GmbH

Dorsten hat viele positive Seiten. Sie zu unterschlagen wäre unfair. Dorsten hat aber auch aktuelle dunkle Kapitel, die die Stadt nicht loslässt. Dazu zählt ohne Frage der „Fall Paul“. Die leidvolle Geschichte eines 11-jährigen, der mit amtlicher und finanzieller Hilfe der Stadt nach Ungarn (!) zur Erziehung „geschickt“ wurde. „Grandios gescheitert“, so das Urteil nicht Weniger nach der öffentlichen Berichterstattung über die von der Stadt ausgewählte Firma Life GmbH, die aus der Not der Kinder eine lukrative Geschäftsidee gestrickt hat. Aber nicht nur die „Erziehungsmaßnahme im Ausland“ ist grandios gescheitert, sondern auch die Aufarbeitungsversuche der verantwortlichen Stadtverwaltung. Auszüge aus der Rechtfertigungsstrategie:

  • der WDR hat schlecht recherchiert
  • Life GmbH ist über jeden Zweifel erhaben
  • der Junge ist glücklich und spricht schon etwas ungarisch
  • der Erzieher ist Pädagoge mit besten Abschlüssen
  • der finanzielle Aufwand ist gerechtfertigt
  • die Kritiker, auch aus Dorsten, „haben keine Ahnung“
  • wir haben alles richtig, bzw. nichts falsch gemacht

Jetzt hat die Essener Staatsanwaltschaft 

Ermittlungen gegen den Geschäftsführer der Life GmbH aufgenommen. Der Vorwurf: Betrugsverdacht bei den Abrechnungen der zuvor geschilderten Maßnahme. Die Dorstener Zeitung hat darüber berichtet. Es ist gut, dass von der Öffentlichkeit (Presse, einzelne Ratsmitglieder, kritische Bürgerinnen und Bürger, …) noch kein Schlussstrich gezogen wurde. Es ist gut, dass weiter hinterfragt wird,  wie wir mit Kindern und Jugendlichen umgehen müssen, wenn sie mal aus dem Ruder gelaufen sind. Es ist gut, dass einer Firma, die nicht einmal eine Vertretung des erkrankten „Pädagogen“ vor Ort vorgesehen hat und damit die Erziehungsmaßnahme abbrechen musste, auf die Finger geschaut wird. Ob die Dorstener Verwaltung genug getan hat, genau diesen Aspekt aufzuklären? Da bleiben erhebliche Zweifel. Aber, das ist die gute Nachricht, den „Fall Paul“ auszusitzen wird nicht gelingen.

Dirk Hartwich

 
 

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