Warum werden 10jährige Kinder noch immer so früh in eine Schublade gesteckt?
In diesen Tagen ist es wieder soweit. Der Übergang von Klasse 4 in neue Schulformen. Das Angebot ist groß und unübersichtlich. Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule …
Die Eltern entscheiden, die abgebende Schule empfiehlt. Das war zu CDU-Zeiten in NRW noch anders. Da hat die Schule allein entschieden. Ein wesentlicher Vorteil auf jeden Fall durch die SPD/Grüne-Regierung.
Und dennoch werden auch heute noch viele Kinder falsch beurteilt. „Du schaffst es nicht“, lautet die eindrucksvolle Titelgeschichte in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ein Redakteur dieser Zeitung wurde von seinem Grundschullehrer gegen seinen Willen zur Hauptschule geschickt. Der entscheidende Satz: „Du schaffst es nicht“, hat ihn bis heute getroffen und begleitet. Er hat es dennoch geschafft, auf vielen Schulumwegen, seinen Wunschberuf Journalist zu studieren und auszuüben. Der damalige Lehrer hat inzwischen sein Fehlurteil bedauert.
Das ist aber kein Einzelfall. Eine Schülerin sollte zur Sonderschule, früher Hilfsschule, wechseln. Die Eltern haben sich vehement gewehrt. Die so stigmatisierte Schülerin ist heute eine beliebte Studienrätin.
Hannelore Kraft hat es auf den Punkt gebracht. Wir dürfen kein Kind zurücklassen!
Dann sollten wir das gesamte Ausleseverfahren und die vielen Schultypen einmal hinterfragen. Nicht nur in 16 Bundesländern gibt es unterschiedliche Verfahren, nein auch bei uns muss es weitere Reformen geben. Die Kinder sind unsere Zukunft. Wir haben die Pflicht, schon aus Eigeninteresse, alle, unabhängig von ihrem Elternhaus, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrem Entwicklungsstand, optimal zu fördern.