E.ON steigt aus – Auch in Dorsten platzten Träume

Arbeit und Wirtschaft

Zeche weg, Kraftwerk nie gebaut, dafür Halde aufgeschüttet

E.ON steht stellvertretend für eine deutsche Energiewirtschaft, die Weltmarktführer sein wollte und die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, bzw. erkennen wollte. Warnungen gab es immer, nicht nur in Großprojekte (schlechter Wirkungsgrad), sondern auch in dezentrale kleine Einheiten zu investieren. Der Schulterschluss zwischen Unternehmen wie E.ON, RWE und Co, sowie der damaligen IG Berbau und Energie und einflussreicher Politiker (z. B. Clement) verhinderten den realistischen Blick in die Zukunft. Kritiker wurden gnadenlos abgebürstet. Auch in Dorsten. Der Aufreger der Jahre um 1980 war der geplante Bau eines riesigen Steinkohlekraftwerks (1400 MW) im Industriegebiet des Dorstener Hafens. „Wer das ablehnt, macht unsere Zeche kaputt“, so die Kohlelobby. Das Ergebnis trotz Mehrheitszustimmung des Stadtrates: Die Zeche wurde geschlossen, das Kraftwerk nie ernsthaft weiter verfolgt. Dafür hat Dorsten eine gigantische Halde (Hürfeld) mit ständigem Schüttverkehr erhalten. Fazit:

E.ON steigt aus. Kohle-, Gas- und Atomanlagen werden in eine neue Gesellschaft ausgelagert. Eine Energie-Bad-Bank. Die Verantwortung und die Schulden müssen aber bei dem Verursacher bleiben. Und noch etwas: Der Wirtschaftsminister wurde wohl kalt erwischt. Eine Branche, die jahrzehntelang von allen Spitzenpolitikern gehätschelt und subventioniert wurde, zeigt ihr wahres Gesicht. Nur noch in erneuerbare Energien zu investieren, hört sich im ersten Moment gut an. So richtig glaubwürdig klingt das aber nicht. Da war wohl in erster Linie der Aktienkurs im Blick, der seit langer Zeit im Keller ist. Die Energie-Bad-Bank wird weiter wie Blei an E.ON hängen bleiben. Und Dorsten ist gut beraten, die eingeleitete kommunale Energiewende nicht aus den Augen zu verlieren.

Eigener Bericht

 
 

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