Ehrlich währt am längsten …
Glaubt man den Meinungsforschern, haben sich die Werte, mit denen Politiker von Bürgerinnen und Bürgern gemessen werden, verschoben. Nicht mehr Solidarität und Gerechtigkeit, sondern Ehrlichkeit steht an erster Stelle.
Legen wir das mal als Maßstab bei der Ministerin Ilse Aigner (CSU) an.
Sie hat an diesem Wochenende mitgeteilt, dass sich die Agrarpreise für Kartoffeln, Obst und Gemüse deutlich erhöhen werden.
Begründung: Schlechtes Frühjahr und gestiegene Nachfrage. Das wird sie wohl als Landwirtschaftsministerin von sich gegeben haben. Ihre Zielgruppe waren die Landwirte, Obst- und Gemüsebauern, sicherlich in Bayern. Denn da wird am 15. September ein neuer Landtag gewählt.
Ilse Aigner ist aber auch Verbraucherschutzministerin.
Wenn sie für diese Gruppe gesprochen hätte, also für uns, könnte ihr Statement so ausgefallen sein: „Die Forderung der Landwirtschaft nach höheren Preisen muss mit allem Nachdruck zurückgewiesen werden. Das schlechte Frühjahr wurde durch eine fantastische, trockene Erntezeit in großen Bereichen des Bundesgebiets, mehr als ausgeglichen. Und die Mähr von der gestiegenen Nachfrage hatten wir schon häufiger, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchzusetzen“.
Das hat sie aber nicht gesagt.
Ehrlichkeit sieht anders aus.
Es ist schlichtweg Interessenpolitik der Ministerin zugunsten einer Gruppe, deren Wohlwollen (Wählerstimmen) sie anstrebt. Das ist unsolidarisch, ungerecht und unehrlich.