Das aktuelle DGB/AWO-Plakat und das 1944 von Curt Bloch geschriebene Gedicht bilden eine zufällige Einheit!
An meine deutschen Leser
Vielleicht kommen euch die Gedichte,
Die ich in eurer Sprache schrieb,
In spätren Zeiten zu Gesichte,
Und täten sie’s, wär mir’s recht lieb.
Und lest ihr sie, müsst ihr nicht denken,
Die sind nun nicht mehr aktuell,
Drum kann man sich das Lesen schenken,
Drum weg damit und möglichst schnell.
Ihr wähnt euch endgültig entflohen
Dem Schatten der Vergangenheit.
Und denkt nicht dran, dass euch bedrohen
Der gleiche Schmerz, das gleiche Leid.
Wenn man euch eure alten Fehler
Nun wiederum vergessen lässt,
Dann führt ein neuer Puppenspieler
Euch zu nem neuen Schlachtefest.
Curt Bloch (1908 - 1975)
Schriftsteller, als Jude von den Nazis verfolgt, hat durch jahrelanges Untertauchen in Holland überlebt.
Dort Gedichte geschrieben und im Untergrund anderen Verfolgten geholfen, zu überleben.
Das hier im Auszug vorgestellte Gedicht hat Curt Bloch bereits im Juni 1944 verfasst. Es beeindruckt durch seine Weitsicht und leider auch durch seine Aktualität. Wer es heute, vor dem Gang ins Wahllokal gelesen hat, weiß, wie wichtig seine Wahlentscheidung ist.
1948 emigrierte Curt Bloch in die USA.
Das Jüdische Museum in Berlin hat seine Kunst und
sein Leben in einer großen Ausstellung gewürdigt.