Das Streikrecht ist ein hohes Gut - Aber wann beginnt der Missbrauch?
Seit über 40 Jahren bin ich Mitglied in der Gewerkschaft (IGBCE). Seit über 40 Jahren engagiere ich mich politisch. Seit über 40 Jahren hat die Gesellschaft von aktiven und verantwortungsbewussten Gewerkschaften profitiert.
Seit einigen Jahren beobachte ich enttäuscht, dass nicht eine Gewerkschaft alle Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter eines Unternehmens vertritt, sondern dass so genannte Spartenvertretungen aus dem Boden schießen.
Ich erinnere an die Lokführer, die, losgelöst vom übrigen Personal auf und vor der Schiene, ihre Forderungen knallhart durchgesetzt haben.
Ich erinnere an die Ärzte, die ganz vergessen, dass da noch Krankenpflegepersonal das Team vervollständigt, und ihre Forderungen knallhart durchgesetzt haben.
Ich erinnere an die Piloten, die ohne das Kabinen- und Bodenpersonal nackt dastehen würden. Dennoch haben sie nur ihre Forderungen knallhart durchgesetzt.
Und jetzt das Sicherheitspersonal an den Flughäfen. Auch sie sehen nur sich und nicht zum Beispiel auch das Reinigungspersonal auf dem gleichen Gelände. Die Forderungen werden knallhart durchgesetzt.
Knallhart heißt, mit einem, wie ich meine, unverhältnismäßigem Streik.
Die Leidtragenden, bleiben wir mal beim Flughafen, sind Reisende, ob geschäftlich oder privat, die ratlos Tage und Nächte damit verbringen müssen, Termine neu zu ordnen, Urlaubspläne verwerfen und ihrem bezahlten Flug- und Unterkunftspreis hinterherlaufen müssen.
Keinesfalls will ich die Niedriglöhne des Personals in irgendeiner Form verteidigen. Aber früher war es auch möglich, in Verhandlungen Ergebnisse/Kompromisse/Stufenpläne zu erzielen, die ohne großartige Arbeitskampfmaßnahmen für den gesellschaftspolitischen Frieden gesorgt haben.
Wenn in Hamburg für das Sicherheitspersonal vorgestern ein Stufenplan vereinbart werden konnte, warum muss dann in Düsseldorf heute zum gleichen Thema noch einmal gestreikt werden?
Ich finde das unverhältnismäßig und unsolidarisch. Dem übrigen Personal des Flughafens und den Reisenden gegenüber.
Wenn die Gewerkschaften (DGB) nicht in der Lage sind, die Spartenvertretungen „einzufangen“, dann muss der Gesetzgeber „ran“. Das wäre ein Armutszeugnis für verantwortliche Gewerkschafter.
Dirk Hartwich
15.032013