Prof. Dr. Karl Lauterbach SPD-MdB (Foto von SPD Heisfelde übernommen) Ein SPD-Ortsverein fragt nach
Auf den Punkt gebracht: Hoch im Norden, in Leer-Heisfelde, zeigt ein SPD-Ortsverein wie Parteiarbeit nach innen und außen geht. So wie in Rhade, wird eine eigene Internetseite, www.spd-heisfelde.nuettermohr.de, fast täglich, überwiegend mit eigenen Beiträgen, aktualisiert. Heute übernehmen wir den dortigen Gastbeitrag von Karl Lauterbach. „Auf den Punkt gebracht“ lautet eine beeindruckende Serie, die die Genossinnen und Genossen aus Ostfriesland. angestoßen haben. Prominente aus Politik und Gesellschaft schreiben dazu kurze Statements, die dann auf der SPD-Homepage veröffentlicht werden. Wir in Rhade übernehmen künftig einige Beiträge von "Auf den Punkt gebracht" und sagen danke in Richtung Heisfelde-Nüttermohr.
Karl Lauterbach: Momentan rasen in Deutschland zwei Züge aufeinander zu: Die 3. Welle hat begonnen und ist nicht mehr zu stoppen. Die B117-Mutation wird sich in Deutschland durchsetzen. Auf der anderen Seite wollen die Menschen endlich Lockerungen. Wie kann man verhindern, dass wir in die 3. Welle hinein lockern? Es geht nur, wenn Maßnahmen kombiniert werden: Eine sofortige Änderung der Impfstrategie, indem die Erstimpfung aller Impfstoffe vorgezogen wird. Die Erstimpfung verhindert ...
über 80% der Krankenhauseinweisungen. Dazu muss AstraZeneca auch für Ältere eingesetzt werden. Dort sitzt das Risiko. Die jüngste Empfehlung der STIKO, AstraZeneca auch für Personen, die älter als 65 Jahre sind, einzusetzen sowie die zweite Impfdosis erst nach 12 Wochen statt bislang nach sechs Wochen zu verimpfen, ist überfällig und richtig. Das kann in den nächsten Wochen zahlreiche Menschenleben retten. Maximale Erstimpfung der Älteren bringt maximalen Schutz in der 3. Welle. Wie aber sollen wir mit den Lockerungen verfahren? Mein Vorschlag: In Betrieben und Schulen wird einmal pro Woche ein Antigentest durchgeführt. Am Tag des Tests darf man in Geschäfte mit Vorlage der Bescheinigung. Wer weder in Schule noch Betrieb getestet werden kann, geht zu einem Testzentrum. So macht man aus der Not eine Tugend: Öffnungen werden ein Anreiz für Testungen.
Wenn genug Antigentests verfügbar sind, wird die Testung auf zweimal pro Woche ausgedehnt. Dann kann man an zwei Tagen in die Geschäfte. Mit der Strategie sinkt der R-Wert auf unter 1 selbst für die B117-Mutation. Das heißt, keine Lockerungen ohne vorher funktionierende Testkonzepte. Die gibt es aber noch nicht, weil die nötigen Schnelltests noch fehlen. Darüber brauchen wir schnell Klarheit.
Die Lockerungsschritte im Beschluss des Bund-Länder-Treffens machen ohne ausreichende Schnelltests keinen Sinn. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass mit diesem Beschluss die 3. Welle langsam anläuft. Es kann sogar sein, dass das Terminshopping kurz funktioniert. Aber spätestens Anfang April liegt die Inzidenz über 100 und das Intermezzo ist beendet.
Prof. Dr. Karl Lauterbach MdB