Straßenwahlkampf – Eine zufällige Begegnung zwischen einem engagierten Sozi und einem CDU-Landtagskandidaten
Samstag, 10 Uhr. Kühl, windig, keine Frühlingsluft.
Wir treffen uns vorm REWE-Markt und wollen für Hannelore Kraft, Hans-Peter-Müller und die NRW-SPD werben. Immerhin wird am 9. Mai gewählt. Nur noch 37 Tage.
Die Konkurrenz ist auch vor Ort. Wir begrüßen uns. Schließlich sind wir ja keine Feinde, sondern stehen im Wettbewerb um die besten Köpfe und Ideen.
Während wir es mit traditionellen Ostereiern, Werbematerial unseres Landtagskandidaten Hans-Peter Müller und freundlichem Auftreten versuchen, Sympathiepunkte zu gewinnen, verteilt die andere Seite Material zur Bildungspolitik.
Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, werden die SPD-Anregungen zum gleichen Thema völlig unfair, verdreht und diffamiert in gedruckter Form „unters Volk“ gebracht. Das ist also die Überraschung der Dorstener CDU, die über die örtliche Presse angekündigt wurde.
Das bringt mich auf den Plan, mal das direkte Gespräch zu suchen. Tatsächlich steht der Kandidat mit dem christdemokratischen Anspruch auch unter den Werbern. Nicht besonders groß, nicht besonders auffällig, nicht unsympathisch.
„Haben sie heute schon in der Zeitung gelesen, was ihr Parteivorsitzender gesagt hat?“, versuche ich eine Diskussion. „Nein, das nicht“, so die knappe Antwort. „Ich will keinen Schulkampf in NRW“ teile ich mein angelesenes Wissen mit. Und nachgeschoben: „Diese Aussage verträgt sich aber nicht mit ihrer Materialverteilung“.
So, das hat gesessen, denke ich.
Jetzt folgt ein nicht enden wollender Wortschwall. Kaum eine Chance, ein sachliches Gespräch zu führen.
Ich will doch nur aufzeigen, dass die Schulpolitik, ideologisch geführt, nur Verlierer kennt. Schüler und Eltern. Und dass ich das für eine Katastrophe halte, dass bereits nach 4 Jahren die Schullaufbahn einer Zehnjährigen ausschließlich durch die Schule festgelegt wird. Wo ist das Elternrecht? Und dass die Hauptschule nicht überleben kann. Die Abstimmung mit den Füßen sagt mehr aus als stundenlange Diskussionen.
Jetzt folgt die Antwort, zusammengefasst: „Alles unrichtig. Die SPD hat alles falsch gemacht. Wir verteidigen das Schulsystem. Wir werden nichts ändern!“
Gut, ich muss anerkennen, meinen Gesprächspartner so nicht überzeugen zu können. Daher bitte ich ihn, wenigstens gegen den Beißreflex seiner Parteifreunde in Dorsten mal anzugehen, wenn das Thema Schule, Schulsystem, Bildungsreform von Sozialdemokraten angesprochen wird. Manchmal glaube ich, dass schon ein Denken über Verbesserungsmöglichkeiten aus Sicht der Dorstener CDU unanständig und bekämpfenswert ist. Seltsam.
Wir beenden unsere erste Begegnung und wünschen uns gegenseitig Frohe Ostern und alles Gute.
Etwas mitleidig werde ich von meinen Parteifreunden schon erwartet. Sie wussten bereits vorher, dass es keine Chance zu einem fairen Dialog gibt.
Eine ernüchternde Begegnung im ansonsten spannenden Straßenwahlkampf. Die Stimmung für Hannelore Kraft ist nämlich sehr gut. „Wir wünschen Euch viel Erfolg“, lautete der meistgehörte Satz am Samstagvormittag. Damit waren wir von der SPD gemeint. Beruhigend.