Neue ILO-Studie zur Jugendarbeitslosigkeit
Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird auch in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau verharren – in manchen Regionen der Welt sogar noch weiter ansteigen. Das geht aus einer am 4. September von der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) veröffentlichten Studie zur Jugendarbeitslosigkeit hervor.
Birgit Sippel, stellvertretendes Mitglied der SPD-Europaabgeordneten im Beschäftigungsausschuss: "Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Folge der Krise dramatisch angestiegen. Die Lage der Jugendlichen in der EU ist katastrophal, in manchen Mitgliedstaaten hat nur jeder zweite Jugendliche eine Beschäftigung. Die neusten ILO-Untersuchungen bestätigen unsere Befürchtungen: Gespart wird bei den Schwächsten."
Unter anderem befürwortet die ILO in ihrer Studie, einen bestimmten Prozentsatz des nationalen Bruttoinlandsprodukts für konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bereitzustellen. Vor allem heben die Verfasser den Nutzen von Jugendga-rantien hervor. Laut Studie bringe eine Jugendgarantie verhältnismäßig geringe Kosten mit sich, die sie auf weniger als 0,5 Prozent des BIP beziffert. Birgit Sippel: "Die Ergebnisse der ILO unterstützen unsere Forderungen. Wir Sozialdemokraten setzen uns schon lange im Europäischen Parlament vehement dafür ein, ausreichend Finanzmittel für konkrete Projekte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bereitzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei die Einführung einer Europäischen Jugendgarantie."
Eine Jugendgarantie sichert jungen Menschen einen gesetzlichen, rechtlich durchsetzbaren Anspruch, entweder eine Beschäftigung, ein Praktikum oder eine zusätzliche Ausbildung zu erhalten, wenn sie einige Monate lang nach Beendigung der regulären Ausbildung ohne Arbeit bleiben.
"Leider werden solche Initiativen oft durch die Mitgliedstaaten blockiert, wie etwa derzeit bei den Verhandlungen zum Programm für sozialen Wandel und Innovation. Erste informelle Treffen mit dem Rat zeigen eine ablehnende Haltung", so Birgit Sippel.
Allein eine europäische Jugendgarantie sei aber keine Lösung. Birgit Sippel: "Der Abbau von Jugendarbeitslosigkeit muss über die reine Vermittlung hinausgehen. Alle Mitgliedstaaten müssen auch die Bekämpfung der Schulabbrecherquote, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und die Qualität von Praktika und Beschäftigung in Angriff nehmen. Wir brauchen europäische Standards und Qualitätsrahmen. Mithilfe von Strukturfonds und Finanzprogrammen leistet die EU hier einen sehr wichtigen Beitrag und muss das auch in Zukunft tun können."