Schlaglöcher müssen ausgebessert, neue Leitplanken eingezogen werden
Wer in der Politik etwas Grundlegendes bewegen will, muss ehrgeizig, sachkundig und durchsetzungsfähig sein. Karl Lauterbach, Gesundheitsminister, scheint seinen Traumjob gefunden zu haben. Er ist vom Fach und bereit, seit Jahren liegengebliebene Probleme aufzuarbeiten. Im Gesundheitssektor tummeln sich viele Akteure, die alle am finanziellen Riesenkuchen teilhaben wollen. Wer hier alte Zöpfe abschneiden will, trifft auf geballten Widerstand der Lobbyisten. Gestern Krankenhausreform, morgen Neuaufstellung der Pflege. Daneben Aufarbeitung der Coronapandemie und der kriminellen Maskenbeschaffung. Nun hat Karl Lauterbach sich aktuell den Unmut der Apotheker zugezogen. Zur Infrastruktur einer Stadt, eines Dorfes, gehören Apotheken. Wir in Rhade leiden unter diesem Vakuum. Um das Sterben der Fachgeschäfte aufzuhalten, stattdessen Neueröffnungen zu ermöglichen, hat er einen weitreichenden Reformvorschlag der Apothekerinnung vorgelegt. So soll jede bestehende Apotheke bis zu drei Filialen und zwei kleinere Zweigstellen betreiben dürfen. Dafür muss nicht, wie bisher vorgeschrieben, in jedem Geschäft ein ausgebildeter Apotheker als Verkäufer und Berater fungieren. Statt dessen besteht das Personal dort aus pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA). Bei schwierigen Beratungsfragen kann der Apotheker aus dem Hauptgeschäft während der Öffnungszeiten per Videoschalte unterstützend eingreifen. Klingt nachvollziehbar, wird aber (noch) abgelehnt. Die Apotheker-Vertretung setzt dagegen auf höhere Zuschüsse. Karl Lauterbach steht vor der nächsten Baustelle. Mit Flickschusterei gibt er sich nicht zufrieden. Der Gesundheitsminister verdient Unterstützung von unten.
Ein Rhader Plädoyer für eine Apothekenzweigstelle vor Ort