Liebe Leserin, lieber Leser aus Rhade,
mit Helmut Schmidt ist ein großer Politiker und Mensch verstorben. Die Nachricht vom Tod des früheren SPD-Kanzlers hat uns Abgeordnete am Dienstagnachmittag während der Fraktionssitzung ereilt. So still war es noch nie, ihm zu Ehren stand der Politikbetrieb für wenige Minuten still. Ein weiteres Gedenken folgte dann am Donnerstag zu Beginn der Plenardebatte. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat wie so oft passende Worte gefunden. Er würdigte Schmidt unter anderem mit folgendem Satz: „Die meisten Menschen faszinierte seine immense Lebenserfahrung, sie bewunderten seinen scharfen Verstand, nicht zuletzt liebten sie seinen trockenen Humor. Für viele war er, der in Vorträgen als Autor und Mitherausgeber der Zeit bis zuletzt die politische Debatte und Kontroverse suchte, mit seiner Meinung ein unverzichtbarer Kompass.“ Wer sich noch einmal an die unverkennbare und für mich sehr beeindruckende Art von Helmut Schmidt erinnern möchte, dem empfehle ich ein Hördokument auf der Homepage des Bundestages. Dort findet man Schmidts letzte Bundestagsrede aus dem Jahr 1986:
http://www.bundestag.de/blob/395232/30dfd5f808fa544da02fc99660aa1374/kw46_helmut_schmidt_audio1-data.mp3
Gegen Sterbehilfevereine …
Bereits Ende der letzten Woche hat der Bundestag über neue Regeln für die Sterbebegleitung entschieden. Ich habe wie die große Mehrheit der Abgeordneten für das Gesetz mit dem Titel „Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ gestimmt und mich damit gegen sogenannte Sterbehilfevereine ausgesprochen. Ich halte jegliche Art von Geschäft mit dem Tod in moralischer Hinsicht für nicht tragbar. Zwar können wir als Politik nicht alle Facetten des Sterbens bestimmen, aber wir sollten festlegen, dass Beihilfe zur Selbsttötung keine normale Leistung sein darf. Unabhängig von der Entscheidung zur Sterbebegleitung ist mir vor allem wichtig, dass die Sterbebegleitung thematisch in die Mitte der Gesellschaft getragen wurde. Von Besuchen in Hospizen und Palliativstationen weiß ich, wie sehr das Ende des Lebens uns Menschen beschäftigt. Die Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung ist absolut notwendig. Auch hierzu hat der Bundestag ein Gesetz gemacht. Unheilbar Kranke und alte Menschen sollen künftig besser und individueller betreut werden. Es geht vor allem darum, Schmerzen zu lindern und Ängste vor dem Sterben zu nehmen.
Mit freundlichen Grüßen nach Rhade
Ihr
Michael Gerdes