Offener Brief an unsere Europa-Abgeordnete Jutta Haug

Europa

Liebe Jutta,

ich habe mich lange geziert, diesen Brief zu schreiben. Ich fühle mich nämlich nach wie vor als Europäer und habe jahrzehntelang alle Bemühungen, das nationale, enge Denken zu überwinden, aktiv als Sozialdemokrat unterstützt. Langsam aber sicher gerät mein Vertrauen ins Wanken.
Die aktuelle EU- und Euro-Krise ist ja nicht vom Himmel gefallen. Viele wichtige Leute haben vor dem Tempo gewarnt, immer mehr Länder-Mitglieder, in immer kürzeren Zeitabständen, aufzunehmen.

Ich erinnere mich genau, wie Griechenland erst seinen Haushalt konsolidieren musste, um den Euro einführen zu dürfen.
Das haben sie dann in Rekordzeit, ich meine nicht mal in einem Jahr, nach Meinung der damaligen Kommission, beeindruckend geschafft.
Griechenland hat betrogen, Brüssel wollte betrogen werden. Das Ergebnis sehen wir täglich.
Jetzt hat Kroatien gewählt. Es soll 2013 das 28. EU-Land werden. Alle Voraussetzungen sind erfüllt. Wirklich? So wie Ungarn, oder Rumänien? Oder …?
Dass die Bürger Kroatiens per Abstimmung pro Europa gestimmt haben, wundert mich nicht.
Ich frage mich aber, wer uns wann fragt, ob wir ein instabiles Europa, mit immer mehr Ländern, in so kurzer Zeit haben wollen.
Reichen die jetzigen Probleme nicht, um erst einmal abgearbeitet zu werden?
Ich glaube, wenn nicht endlich mal Luft geholt wird, wird Euch, und viel wichtiger, uns, der ganze Laden um die Ohren fliegen.
Ich wünsche mir als kleiner, aber aktiver Sozialdemokrat in Dorsten, dass Du mal zu uns kommst, und uns versuchst, diese Politik zu erklären.
Nur aus der Presse zu erfahren, was Europa ausmacht, reicht meines Erachtens schon lange nicht mehr. Die katastrophale Wahlbeteiligung bei den Europawahlen, müsste Euch Abgeordnete doch irgend wann mal elektrisieren.
So, ich habe nach der heutigen Tagesschau meinen Frust etwas abgebaut. Ich würde mich dennoch freuen, eine Antwort von Dir zu erhalten.

Herzliche Grüße

Dirk Hartwich

 
 

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