Politikeransehen ziemlich weit unten

Gesellschaft

Was bedeutet das für unsere demokratischen Strukturen?

Politiker haben es nicht einfach. Sie haben keinen unbefristeten Arbeitsvertrag, sondern müssen sich in relativ kurzen Abständen, alle 4-5 Jahre, neu bewerben. Über die Weiterbeschäftigung entscheiden die Wählerinnen und Wähler per Stimmzettel. Die PolitikerInnen werden, je bedeutsamer ihr Amt ist, rund um die Uhr öffentlich beobachtet. Fernsehkameras verfolgen jede Regung, die schreibende Presse berichtet und schiebt Kommentare hinterher. Lob riecht schnell nach Hofberichterstattung, also überwiegt die Kritik, nicht selten auch ins Persönliche abrutschend. In den sogenannten sozialen Netzwerke tobt dann ergänzend die alleinige Wahrheit, garniert mit Hasskommentaren und falschen Behauptungen. Irgendwas wird schon hängenbleiben. Das auszuhalten, erfordert Nerven wie Drahtseile. Wer aber genau hinsieht, erkennt eine gefährliche Tendenz für unsere Demokratie. Immer mehr Politiker sprechen offen von Burnout-Phasen, andere verabschieden sich aus dem Hamsterrad, Politik genannt. Erschreckend, dass das nicht nur Berufspolitiker betrifft, sondern zunehmend auch ehrenamtlich agierende Kommunalpolitiker. Wenn ein Fußballtrainer keine Ersatzspieler hat, ist der mögliche Abstieg sicher vorhersagbar. Wenn unseren demokratischen Parteien der Nachwuchs ausgeht, folgen wir der zuvor genannten Fußballweisheit. Um etwas zu ändern, müssen wir uns ändern. Konstruktive Kritik schließt persönliche Herabwürdigung aus. Wenn dann aber auch noch einige Spitzenpolitiker ihre peinliche Selbstdarstellung reduzieren würden, wäre viel gewonnen.     

Der Sonntagskommentar aus Rhade

 
 

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