Das Wappen zeigt die Wurzeln von Rhade. Alles was überflüssig ist wurde abgeschnitten.
Selbständigkeit verspricht große Zukunft
Damit hatte man im Dorstener Rathaus nicht gerechnet. Rhade spaltet sich ab sofort von der maroden Lippestadt ab und blickt einer rosigen Zukunft entgegen.
Genau vor einem Jahr verärgerte Dorsten die stolzen Rhader nachhaltig, als laut über einen Verkauf Rhades nach Raesfeld nachgedacht wurde, um die eigenen Finanzen zu sanieren.
„Da waren wir erst beleidigt, dann aber wach und kreativ“ so einer aus der Riege der neuen Macher. „Eine Revolution, aber gerade noch legal“, so die Landesregierung in Düsseldorf.
Die wichtigste Frage vorab: „Wie soll das funktionieren?“,
wird vom Sprecher der künftigen Selbstverwaltungsbehörde klar und nachvollziehbar beantwortet:
- Wir haben mit einem internationalen Investor eine Vereinbarung über 100 Jahre abgeschlossen. Die ehemalige Fläche des Eschweiler Bergvereins, hier in Rhade war mal Kohleabbau geplant, wurde für das neue Frackingverfahren zur Förderung von Schiefergas verkauft.
- Mehr als 100 neue Arbeitsplätze direkt und über 400 in begleitenden Branchen werden um die Bohranlage im Norden Rhades geschaffen.
- Das Gas wird in einem bereits im Bau befindlichen Kraftwerk auf dem Gelände der vorhandenen Biogasanlage (Krampe) zu elektrischer Energie umgewandelt.
- Am Verkauf des Stroms und dem Export des überschüssigen Gases, das Rhader Feld ist überaus ergiebig, verdient das neue Rathaus in Rhade, das bis zum Neubau im kath. Gemeindezentrum St. Ewald, Am Stuvenberg untergebracht ist, kräftig mit.
- „Sorgen um den Umweltschutz und das Grund- und Trinkwasser sind unbegründet“, so der international agierende Investor gegenüber der Dorstener Presse. Und weiter: Die Rhader Bürgerinitiative „Stopp Fracking“ hat sich inzwischen aufgelöst. „Wir haben uns überzeugt, dass alles gut gehen wird“, sagt dazu der frühere Aktivist, der jetzt das gut dotierte Angebot des Firmen- und Rathaussprechers angenommen hat.
Die Reaktionen fallen übrigens völlig unterschiedlich aus. Während die Rhader Bevölkerung uneingeschränkt die neue Aufbruchstimmung genießt, zeigt sich Bürgermeister Lütkenhorst enttäuscht. Dorsten kann eigentlich auf Rhade nicht verzichten. Selbstkritisch fügt er an: „Wir hätten doch mehr zuhören und umsetzen sollen, denn tatsächlich kamen aus Rhade immer die besten Ideen“.
Und wer wird neuer „Chef“ in Rhade? Auch hierzu hat das neue Leitungsteam, das 10 Monate an dem Konzept im „stillen Kämmerlein“ gearbeitet hat, beteiligt, waren Parteien, Kirchen, Vereine, eine klare Vorstellung.
„Noch im April werden die Kandidaten, es sind 5 an der Zahl, vorgestellt. Gewählt wird übrigens nicht mehr. Die Kandidaten sind sich so ähnlich und stehen alle hinter „unserer Rhader Revolution“, dass ein Losverfahren ausreicht. Das ist billiger und effektiver“.
Schon gibt es erste Anzeichen, dass auch Nachbargemeinden von Rhade lernen wollen. Anmeldungen für unbezahlte Praktikumsstellen, unter anderem aus Lembeck, liegen vor.
Eigener Bericht / 01.04.2014