Wer war Paul Schürholz?

Kommunalpolitik


Zwei Dokumentationen über Paul Schürholz bringen Klarheit über sein politisches Wirken

Stadt Dorsten begibt sich auf Spurensuche

Er war eine Persönlichkeit in der Lippestadt. Er hat sich nach 1945 um Dorsten verdient gemacht. Aber was war davor? Paul Schürholz (1893 -1972) bewegt 53 Jahre nach seinem Ableben die Gemüter der interessierten Öffentlichkeit. Eine Dokumentation, vom Stadtrat in Auftrag gegeben, historische Spurensuche genannt, soll Antwort darauf geben, ob Paul Schürholz die 1963 verliehene „Ehrenbürgerschaft Dorstens“ heute als „Missverständnis“ bewertet werden muss. Dr. Josef Ulfkotte und Jochen Schräjahr haben alle ihnen zugänglichen Quellen gesichtet und auf über 100 Seiten das Ergebnis ihrer Recherche der Öffentlichkeit vorgestellt. Dem kritischen Leser bietet sich folgendes Bild:

  • Paul Schürholz hat sich vom Nationalkonservativen zum bekennenden Nationalsozialisten entwickelt. Auch den „Umstieg“ nach 1945 zum Demokraten, gelang ihm ohne jegliche Reflektion des früheren Paul Schürholz.
  • Er war ein Mann des klaren Wortes. Seine dokumentierten Reden passte er unproblematisch der jeweiligen politischen Lage an. Seine Sprache vor 1945 erschreckt, wenn er von Volksgemeinschaft und Führerprinzip spricht und Adolf Hitler huldigt.
  • Als einflussreicher Ratsherr und Mitglied der NSDAP wird ihm nicht verborgen geblieben sein, dass auch seine jüdischen Nachbarn in den Tod deportiert wurden.
  • Dieses Kapitel bleibt in der Dokumention weitgehend, weil nicht durch Quellen belegbar, eine Leerstelle.
  • Dass Paul Schürholz aber 1946 im Zuge seiner angestrebten Entnazifizierung folgende eidesstattliche Erklärung einreicht, ist an Heuchelei nicht zu überbieten: „Ich war bis zum Weggang der beiden jüdischen Familien Perlstein (1938) ihr Ratgeber in allen Fragen, die ihre Haltung zur Partei und ihre Vermögensangelegenheiten betrafen.“
  • Wer 1946 von Weggang der Juden spricht, versucht sich reinzuwachsen und begeht Geschichtsklitterung.
  • Daneben fällt dem kritischen Leser der Spurensuche und Teilnehmer an der öffentliche Aussprache auf, dass sich in Paul Schürholz Reden nach 1945 weder das Wort REUE, noch eine klare Distanzierung der verbrecherischen Nazizeit findet.
  • Ohne Hinweise auf den bereits 1986 erschienenen Band 4 der Reihe „Dorsten unterm Hakenkreuz“, Seite 114, „Noch 1946 für die Demokratie untragbar, wurde er zwei Jahre später Bürgermeister“, und der o. a. historischen Spurensuche von Oktober 2024, sollte Paul Schürholz nicht mehr auf der Liste der Dorstener Ehrenbürger stehen.

Dirk Hartwich - Eine persönliche Einschätzung 

 
 

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