Wie aus Rhade - Dorsten-Rhade wurde

Kommunalpolitik

Rhade - Die Selbständigkeit ist seit 1975 dahin. Foto: Jo Gernoth

Erinnerungen an 40 Jahre Kommunale Neuordnung

Am 4. Mai 1975, also genau vor 40 Jahren wurde in Dorsten ein neuer Stadtrat gewählt, um die Kommunale Neuordnung, die am 1. Januar bereits in Kraft getreten war, auch formal zu besiegeln. Erstmals dabei: Die bislang selbständigen Gemeinden Rhade, Lembeck, Wulfen mit Barkenberg und Altendorf-Ulfkotte. Mit dabei auch Dirk Hartwich, der für Rhade in den neuen Stadtrat einzog. Seine Erinnerungen sind in einem Aufsatz zusammengefasst, der für den neuen Heimatkalender vorgesehen ist. Die Rhader SPD veröffentlicht ab heute den Text vorab in 4 Teilen.

Teil 2 - Aller Anfang ist schwer:

Obwohl es auf dem Papier eine klare Rollenverteilung gab, hier die „Regierenden“ aus der CDU mit „Anhängsel“ FDP, dort die „Opponierenden“ von der SPD, war es bis auf Ausnahmen, eine große Koalition aller Parteien. Wären da nämlich nicht die sozialdemokratischen „Neulinge“ aus Wulfen, Lembeck und Rhade gewesen, hätte es keinen so spannenden, aber auch aufreibenden Neubeginn gegeben.

Dominierend waren die „alten Politikhasen“, häufig im Schatten der noch Kohle fördernden Zeche Fürst Leopold in Hervest und der früheren Zeche Baldur in Holsterhausen aufgewachsen. Die „jungen Wilden“ aus den nördlichen Neugemeinden waren fast alle nicht älter als 25 bis 35 Jahre. Da passte was nicht richtig zusammen. Die Folge: Aufreibende Endlosdiskussionen, Prinzipienreiterei, Streit und Verbitterung auf beiden Seiten. Die Presse, damals noch Ruhr Nachrichten/Dorstener Zeitung und WAZ, begleitete diesen schwierigen Prozess mit spannenden Berichten und Kommentaren und prägte für die unruhigen SPD-Ratsmitglieder aus Rhade, Lembeck und Wulfen den Begriff Nordlichter.

 

Ein Vertrag und seine Folgen

Kooperative Eingemeindung oder feindliche Übernahme? Die Bandbreite der Kommentare war vielschichtig. Um den Trennungsschmerz der verlorenen Selbständigkeit zu minimieren, wurden 1971/1972 so genannte Gebietsänderungsverträge zwischen Dorsten und beispielsweise Rhade und Lembeck abgeschlossen. Neben vielen Formalien, alle in Paragraphen gegossen, gehörte die Bildung eines gemeinsamen Bezirksausschusses (Le/Rha) zu den wesentlichsten Festschreibungen der Eingemeindung. Der Bezirksausschuss fungierte als Unterausschuss des Stadtrates. Alle Beschlüsse in diesem Gremium galten als Empfehlungsbeschlüsse für den 51-köpfigen Stadtrat. Das heißt, eine bindende Wirkung hatte das Gremium nicht. Seine Mitgliederzahl betrug anfangs 15, später aus Kostengründen weniger. Die Aufgabe: Alle den Stadtteil betreffenden Vorgänge mussten im Bezirksausschuss behandelt werden. Die Mitglieder waren vor Ort zu Hause und somit die besten Berater und Helfer der Stadtverwaltung. Das Engagement und die Diskussionsfreudigkeit waren sehr ausgeprägt. Die Sitzungen der ehrenamtlichen 15 und der ca. 6 teilnehmenden Verwaltungsmitarbeiter dauerten auch schon mal einige Stunden. Hugo Lammers, der ehemalige Rhader Bürgermeister, fungierte übrigens als 1. Vorsitzender im Bez.-Ausschuss Lembeck/Rhade, in Wulfen war es Bernhard Osterkamp und Altendorf-Ulfkotte musste sich anfangs mit einem Ortsvorsteher zufrieden geben, den Aloys Wulf verkörperte.

Ob Straßenbau, neue Wohngebiete, fehlende Laternen, Verschmutzung des Spielplatzes, Unterstützung der örtlichen Vereine, Haushaltspläne, und, und, und ... Kurz: Ein Bezirksausschussmitglied musste kommunalpolitischer Generalist sein, um bestehen zu können. Leider war die Begeisterung über die Arbeit der Bezirksausschüsse, neben Rhade/Lembeck auch in Wulfen, und ab 1984 zusätzlich in Altendorf-Ulfkotte, nicht ungeteilt. Die spannenden, aber auch langatmigen Debatten vor Ort, die daraus resultierenden Konflikte im Stadtrat, der nicht immer so wollte wie die Bürgervertreter vor Ort, letztlich aber auch die Verwaltungskosten, ließen die Front der Befürworter immer kleiner werden. Obwohl die Gebietsänderungsverträge den Bestand der Bezirksausschüsse unbefristet vorsahen, kam das endgültige Aus 1998. Es war letztlich eine große Koalition im Stadtrat, die dafür verantwortlich zeichnete. „Ein Fehler“, so nicht wenige Rhader, Lembecker, Wulfener und Altendorf- Ulfkottener, darunter der Unterzeichner dieser Erinnerungen.

Teil 3 folgt am 8. Mai und Teil 4 am 10. Mai

 
 

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