Nun also doch. Die ÖVP, Schwesterpartei der deutschen Christdemokraten, ist umgefallen. Sie strebt als Juniorpartner der rechten FPÖ eine Regierungsbeteiligung an. Die, die gestern noch als politische „Schmuddelkinder“ ausgegrenzt wurden, erinnert sei an die Ibiza-Affäre, gelten plötzlich als Partner in einer Mannschaft. Der Grund kann in einem Satz zusammengefasst werden: Die Unfähigkeit aller demokratischen Parteien, zum Wohle des Landes und der Bevölkerung, ohne Missgunst, Neid und zerstörerischen Egoismus zusammenzuarbeiten, führen auf direktem Weg zu den sogenannten alternativen Parteien. Diese halten von der liberalen Demokratie wenig, finden autokratisch gelenkte Regierungen nachahmenswert und sichern ihre durch Wahlen errungene Macht mit dem Kapital von Muli-Milliardären. Österreich ist leider kein Einzelfall. Die Idee eines starken, sozialen Europas, von gemeinsamen Werten zusammengehalten, wird zunehmend systematisch von innen ausgehöhlt. Jede Krise wird genutzt, um „die da oben“ mit einfachen Antworten und Fake-News in die Defensive zu zwingen. In der Folge steigt bei den demokratischen Parteien die Nervosität und die mit den Händen zu greifende Verunsicherung. Statt jetzt zusammenzustehen, versuchen sie in Alleingängen, und dann noch gegeneinander, die Rechtsaußen-Parteien als undemokratische Zeitgenossen zu entlarven. Das hat bisher weder dort noch hier funktioniert. Nur in einer konzertierten Aktion, an der sich alle demokratischen Parteien uneigennützig beteiligen, kann Vertrauen der Wähler zurückgewonnen und die Brandmauer gegen rechts unüberwindbar gefestigt werden. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?
Nachdenkzeilen aus Rhade