Wie soll das alles weiter gehen? Ein Erklärungsversuch

Arbeit und Wirtschaft


Man macht sich so seine Gedanken. Dirk Hartwich, Vorstandsmitglied der Rhader SPD

Eurokrise – Wirtschaftskrise - Gesellschaftskrise

Unser Wirtschaftssystem funktioniert nur, wenn ständiges Wachstum erzielt wird. Kurzfristige Stagnation kann es noch verkraften. Dauert das Nullwachstum aber zu lange, beginnen „fast unlösbare“ volkswirtschaftliche Probleme. Steht ein Minuszeichen vor der amtlichen Statistik, kommen die ersten Dominosteine ins Wanken. Die Beispiele Griechenland, Spanien, Irland und Portugal zeigen das eindrucksvoll.
Trotz Eurokrise erzielt Deutschland heute noch das nötige Wachstum, um den Laden am Laufen zu halten. Ohne unseren boomenden Export wären auch wir schon in Schwierigkeiten. Wenn aber die genannten Staaten, und einige mehr (Italien, Frankreich …) jetzt plötzlich eisern sparen, um aus der Schuldenfalle herauszukommen, können keine Waren mehr in der erforderlichen Größenordnung in Deutschland bestellt werden.

Schlussfolgerung:
Unser Exportgeschäft beginnt zu lahmen, Firmen bauen Arbeitskräfte ab, Steuereinnahmen des Staates sinken, die Sozialabgaben steigen, der Schuldenabbau kann nicht, wie mit den Geldgebern (Banken) vereinbart, fristgerecht beginnen. Dadurch steigen die Zinssätze für neues Kapital, das zwingend nötig ist, um die Altschulden zu begleichen und den Laden (Bundesrepublik Deutschland) am Laufen zu halten.
Wir in Dorsten erleben im Prinzip eigentlich nichts anderes, als die Griechen, oder die Spanier, oder die Portugiesen. (Ich weiß natürlich, dass die Dimension in den Mittelmeerländern viel dramatischer ist).
Es gibt eine Sparvorgabe, die die Luft zum Atmen nimmt. Die Steuern werden erhöht, die Abgaben steigen. Das was jetzt im Geldbeutel fehlt, kann nicht ausgegeben werden. Die Umsätze der Händler gehen zurück. Personal wird mit Zeitverzögerung abgebaut. Die Sozialausgaben steigen. Dorsten rutscht, trotz größter Anstrengungen, immer tiefer in die Misere.
Was sollten wir daraus lernen?
- Ohne Schulden (Neuinvestitionen) kann unser Wirtschaftssystem nicht überleben
- Ein volkswirtschaftlicher Gesamt-Schuldenabbau kann niemals in kurzer Zeit funktionieren
- Sparen ja, aber in Zeiträumen, die machbar sind
- Die Lasten müssen gerecht verteilt werden. Starke Schultern können mehr tragen
- Die Bürger müssen mitgenommen werden. Das heißt, sie müssen die Wahrheit unseres Wirtschafts- und Finanzsystem verstehen
- Wir alle haben viel zu lange nicht glauben wollen, dass wir uns in einem Schneeballsystem bewegen. Man kann es auch Kettenbrief nennen.

Wenn ich das alles richtig verstehe, bleibt nur noch, mit Augenmaß weiter zu machen und nach und nach die größten Risiken abzubauen. Eine gigantische Aufgabe nicht nur für Parteien und Politiker.

Dirk Hartwich

 
 

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