3 Fragen an Hubert Krampe: Heute Teil 1

Arbeit und Wirtschaft

Vorgestern war es die Gülle, gestern die Tierhaltung, heute der Milchpreisverfall. Und morgen? Die Landwirte, auch aus Rhade, haben es nicht einfach, in der öffentlichen Meinung so wahr genommen zu werden, wie sie es gerne sähen. Wir geben Hubert Krampe Gelegenheit, auf 3 Fragen zu antworten. Heute Teil 1.

  • 1. Frage: Die Bauern klagen (wieder) über den Milchpreisverfall. Ist das ein hausgemachtes Problem durch Überproduktion?

Hubert Krampe: Die guten Milchwirtschaftsjahre 2013/14 (der Milchpreis war längere Zeit bei über 40 Cent) haben dazu geführt, dass der einzelne Landwirt versucht hat, alle seine betrieblichen Ressourcen auszuschöpfen. Das war zu dem Zeitpunkt unproblematisch, weil der Markt das Produkt Milch ohne Problem aufnahm. Besonders der Export war so aufnahmefähig, dass die preisbestimmenden Discounter in den Preisverhandlungen keine Chance hatten die Preise zu drücken. Das änderte sich ab Mitte 2014 als 

der chinesische Markt weniger brauchte und durch das Russlandembargo plötzlich wichtige Exportmärkte, auf die der europäische Milchmarkt absolut angewiesen ist, wegbrachen. Da Kühe keine Maschinen sind, die man an und abstellen kann, dauert eine Anpassung an die neue Situation längere Zeit. Dadurch kommt es zu einer Überproduktion, die nur durch Preisverfall abzusetzen ist. Dieser Preisverfall hat jetzt jedoch eine Dimension erreicht(Milchpreis 25 Cent), dass selbst die besten Betriebe nicht mehr kostendeckend produzieren können. Besonders leiden darunter die kleineren und mittleren Betriebe, die durch Ihre, oft höhere Kostenstruktur, besonders existenzgefährdet sind.

Wenn Bauern heute auf die Straße gehen, um auf Ihre Situation aufmerksam zu machen, geht es Ihnen darum, von der Politik, die ja durch Ihre Entscheidungen auch mitverantwortlich ist an dieser Situation, Hilfen ein zu fordern. Unter Hilfe verstehen wir z.B., das die Strafzahlungen, die wegen Quotenüberlieferung von Bauern geleistet wurden, zur Stabilisierung des Milchmarktes (Intervention)verwendet werden. Außerdem wünschen wir uns mehr Unterstützung beim Erschließen von neuen Exportmärkten. Letztendlich wäre Bürokratieabbau, und vielleicht eine Steuerstundung hilfreich, damit die Zeit der ruinösen Preise überbrückt werden kann und damit ein krasser Strukturwandel durch Aufgabe vieler Betriebe verhindert wird.

Morgen folgt Teil 2 

 
 

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