3 Fragen an Hubert Krampe: Heute Teil 3 und Schluss

Arbeit und Wirtschaft

Vorgestern war es die Gülle, gestern die Tierhaltung, heute der Milchpreisverfall. Und morgen? Die Landwirte, auch aus Rhade, haben es nicht einfach, in der öffentlichen Meinung so wahr genommen zu werden, wie sie es gerne sähen. Wir geben Hubert Krampe Gelegenheit, auf 3 Fragen zu antworten. Heute Teil 3.

Frage: Landwirtschaft ist mehr als Milchproduktion. Wer wird mit welchem „Geschäftsmodell“ in Zukunft sich am Markt behaupten können?

Hubert Krampe: Es ist richtig, das Landwirtschaft mehr ist als Produktion. Der Vermarktung unserer Erzeugnisse kommt zukünftig eine noch größere Bedeutung zu. In der Veredelung unser Produkte, besonders bei Milch, hat Deutschland eine weltweit führende geschätze Vielfalt und Qualität. Dieses Potenzial muß noch mehr genutzt werden, besonders von unseren bauerneigenen Genossenschaftsmolkereien, die fast 75% der deutschen Milch verarbeiten. Im sinkenden Inlandsmarkt gibt es eine steigende Tendenz zur Regionalität. Es wäre ein großer Fortschritt, wenn dieser Trend anhalten würde und die Landwirtschaft damit

eine bessere Wertschöpfung für ihre Produkte erhält.

Ab Hofverkauf, Milchtankstellen und selbst Bioproduktion sind Nischenprodukte, die für den einzelnen Landwirt sicher eine interessante Einnahmequelle darstellen können. Der überwiegende Teil wird aber sein Einkommen über die bestehenden Vermarktungsstukturen erwirtschaften.

Fakt ist aber auch, das diese Niedrigpreisphasen zu einem beschleunigten Strukturwandel in der Landwirtschaft führen wird. Betriebe, wo die wirtschaftliche Entwicklung auch in guten Jahren schwierig war, oder die Hofnachfolge nicht gesichert ist, nehmen diese Zeit zum Anlass aus der Landwirtschaft auszusteigen. Leider sind das meistens die von der Gesellschaft gewünschten kleinen und mittleren Betriebe.

Was uns auch sehr große Sorgen macht, ist die Wahrnehmung und Akzeptanz unserer Produktionsweise in unserer Gesellschaft. Hatte früher die Bevölkerung noch eine gewisse Vorstellung von der Wirtschaftsweise der Landwirtschaft, die der Realität entsprach (Man kannte seinen Bauern, weil man z.B. seine Milch da holte, Urlaub machte, in der Verwandtschaft einen Bauer hatte oder von Jemand informiert wurde, der sich auskannte) wird das Bild des Bauern heute überwiegend durch unsere Medien geprägt. 
Das dann eine Kuh auch schon mal lila beschrieben wird, oder nur die Skandale und negativen Schlagzeilen wahrgenommen werden, macht uns doch sehr zu schaffen.
Deshalb möchten  wir die Leser einladen, besuchen sie die landwirtschaftlichen Betriebe und stellen Sie ihre Fragen. Ich bin der festen Überzeugung das der überwiegende Teil der Bauern sich freuen würde, ihnen ihren Betrieb zu öffnen. Wir Bauern haben nichts zu verbergen und es ist viel besser wenn man miteinander redet als übereinander.

Wir bedanken uns bei Hubert Krampe, der auch Sprecher der Milcherzeuger ist, und hoffen, damit einen konstruktiven Dialog vor Ort zwischen Erzeugern und Verbrauchern angestoßen zu haben.

 
 

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