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Hitler Wetter von Tillmann Bendikowski

Ein Buch über „das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich 1938/39“, so die Einführung auf der Umschlagseite. Gut lesbar, hoch interessant und nie ermüdend, räumt es gnadenlos mit dem Mythos der großen Mehrheit der Deutschen auf, nichts gewusst und damit nichts zu tun gehabt zu haben. Fakten von renommierten Historikern werden Tagebucheintragungen von Menschen wie du und ich gegenübergestellt. Die Übereinstimmung ist frappierend. Es ist die „Geschichte der anderen“, so die Einstellung der Mehrheit der Deutschen nach 1945, die zwar den Neuanfang leichter machte, aber mit einem gigantischen Selbstbetrug einherging. (Bei nicht wenigen Zeitgenossen sogar bis heute.) Das „ganz normale Leben“ zwischen 1938 und 1939 wird aus vielen Blickwinkeln beschrieben. Obwohl seit dem 24. März 1933 (Ermächtigungsgesetz) die Demokratie abgeschafft war, richtete sich die übergroße Mehrheit, nicht gerade unzufrieden, in der folgenden Nazi-Diktatur ein. Nur wer seinen verklärten Blick nicht freibekam, konnte und wollte die Unterdrückung, Demütigung, Verfolgung und Ermordung aller Andersdenkender übersehen. Sie alle tragen Mitschuld an der Katastrophe, die der folgende 2. Weltkrieg mit sich brachte. Der Autor klagt nicht an, sondern überlässt das Urteil dem Leser, das er sich in 12 spannenden Kapiteln auf 480 Seiten, selbst bilden kann. Ein absolut lesenswertes Geschichtsbuch.

Dirk Hartwich

 
 

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