Dorstener erlebte den Jahrestag der Revolution mit
Einen Urlaub der ganz besonderen Art erlebte Achim Schrecklein aus Dorsten bei seinem Ägypten-Urlaub: Zufällig war er auf dem Tahrir-Platz zum Jahrestag der Revolution, erlebte die feierenden Menschen - und wurde sogar vom ägyptischen Fernsehen interviewt.
Aus Dorstener Zeitung, 4. Februar 2012, von Klaus-Dieter Krause
Nicht jeder wagt es, eine Winterreise in den „arabischen Frühling“ zu unternehmen. Achim Schrecklein aus Dorsten traute sich und wurde dafür in Ägypten reich belohnt: Neben vielen unvergesslichen Eindrücken brachte er aus Kairo ein Kunstwerk mit nach Hause, das einen Ehrenplatz in seiner kleinen Heim-Galerie einnehmen wird.
Rein zufällig ist Schrecklein dabei sogar zu einer Art Botschafter Deutschlands geworden. Denn während Außenminister Guido Westerwelle am Jahrestag der Revolution bei seinem Staatsbesuch in Kairo einen Bogen um den Tahrir-Platz machte, wurden Schrecklein und sein Reisegefährte Bernhard Haberl aus München dort am Ausgangspunkt der Volksbewegung, die zu Mubaraks Sturz geführt hat, vom ägyptischen Fernsehen interviewt.
Fotostrecke Ein Dorstener im "arabischen Frühling"
Das kam so: „Wir kamen gerade aus dem ägyptischen Museum, als ich auf dem benachbarten Platz eine riesige Menschenmenge bemerkte“, berichtet Schrecklein, „als unser Reiseführer erklärte, dass dies der Tahrir-Platz sei, auf dem aus Anlass des Jahrestages eine große Kundgebung stattfinde, wollte ich unbedingt dorthin.“
Obwohl der Reiseleiter abriet, begleitete er Schrecklein und Haberl dann doch mitten in den Trubel, der sich zwar als sehr lautstark, aber ausgesprochen friedlich erwies. „Künstler hatten dort ihre Zelte aufgeschlagen“, so der Rhader, „und wir wurden sehr freundlich empfangen, zumal wir die einzigen Europäer weit und breit waren.“
Das fiel auch einem TV-Team des ägyptischen Fernsehens auf. Mit Hilfe des dolmetschenden Reiseführers befragten die Reporter Schrecklein ausgiebig zu seiner Einschätzung der Revolution: „Wir haben betont, wie positiv wir es empfinden, dass die Ägypter das Mubarak-Regime durch eine Demokratie ersetzen wollen und wir hoffen, dass alles friedlich bleibt, obwohl es derzeit noch eher schlechter als besser wird.“
Eine Sorge wollten die Ägypter ihren europäischen Gästen sofort nehmen: „Unsere gemäßigten Muslime sind alles andere als fundamentalistische Radikale – solche Leute lassen wir hier bestimmt nicht ans Ruder.“
Was lockte den Chef des Gladbecker Betriebes „druck + graphik“ und SPD-Ratsherrn Achim Schrecklein mitten im Winter nach Ägypten? „Das war eine spontane Entscheidung – ich nutze gern jede Verschnaufpause, wenn sich mal die seltene Gelegenheit bietet.“
Nach dem Film „Tod auf dem Nil“ stand für Schrecklein schon lange fest, dass er das Land der Pyramiden unbedingt besuchen wollte. Daher zögerte er nicht, Ende Januar das Angebot für Kurzentschlossene zu buchen: Eine Fünf-Tage-Fünf-Sterne-Kulturreise zu den historischen Stätten Ägyptens.
Zwar nahm die Kreuzfahrt durch Streiks und andere unerwartete Vorkommnisse einen etwas anderen Verlauf als geplant, aber Schrecklein bereute nicht, die Tour unternommen zu haben. „Allein diese Stimmung auf dem Tahrir-Platz – ich bekam eine Gänsehaut wie 1989 bei der deutschen Wiedervereinigung.“
Besonderes Gemälde
Zudem machte auch der Kunstfreund einen guten Fang. Der Rhader bringt von jeder Reise als ganz besonderes Souvenir ein Bild mit nach Hause. In Kairo stach ihm ein Gemälde ins Auge, das ein Künstler auf dem Tahrir-Platz als Beitrag zur Revolution ausstellte. Zunächst blitzte Schrecklein ab, das Bild war unverkäuflich. Als jedoch das Interview im Fernsehen ausgestrahlt worden war, änderte der Maler seine Meinung – er gab sein Werk als Dank für Schreckleins wohlwollende Worte zum symbolischen Preis von 100 Euro ab.
Kurze Zeit später wurde die Freude des Rhaders jedoch getrübt. Bei einem Ausflug ins Tal der Könige verschwanden Kamera und Bild-Leinwand aus dem Bus. Aber Reiseleiter Muhammed und der um seinen Job besorgte Fahrer setzten alle Hebel in Bewegung und tatsächlich lag das Diebesgut zwei Tage später wieder vor der Tür.
Mit dem ägyptischen Reiseführer verbindet Schrecklein seitdem eine Mail-Freundschaft: „In dieser Branche arbeiten hochgebildete Leute, die es durch den Tourismus-Einbruch sehr schwer haben. Nach dem Absturz ins Bodenlose stieg unter ihnen die Suizidrate an.“