
Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte*
Griechenland. Der Staat ist pleite. Er hängt am Tropf der EU. Der Normalbürger kann die Lasten nicht mehr (er)tragen. Alle Griechen müssen den Gürtel noch enger schnallen. Alle?
Die Geschichte in Stichworten:
- Frankreich ist im Besitz einer Namensliste der Schweizer HSBC-Bank
- Die damalige Finanzministerin Christine Lagarde übergibt sie an die griechische Regierung
- Tausende, insbesondere griechische Steuerflüchtlinge sind dokumentiert
- Die Liste geht in Griechenland beim Finanzminister verloren
- Eine Sicherheits-Kopie wird dem Nachfolger per USB-Stick überreicht
- Er kann sich später nicht erinnern, wo sie geblieben ist
- Der Chefredakteur des griechischen Nachrichtenmagazins „Hot Doc“ veröffentlicht darauf hin die Liste
- Der Staat schlägt zurück. 50 Polizisten verhaften den „Nestbeschmutzer“. Der Vorwurf: Persönliche Daten veröffentlicht zu haben
- Die Weltöffentlichkeit ist elektrisiert. Überall wird über den Prozess berichtet und protestiert. Nicht aber in Griechenland
- Der öffentliche Druck aus dem Ausland zeigt Wirkung. Freispruch!
- Inzwischen hat der Staatsanwalt aber wieder Revision eingelegt
Fazit:
„Griechenland wird von einer geschlossenen Elite regiert: Von bestimmten Geschäftsleuten, die illegal handeln, von Politikern, die sie begünstigen und von Journalisten, die, anstatt die Wahrheit zu sagen, sie verschleiern“.
Das ist ein Originalzitat von Kostas Vaxevanis, der es gewagt hat, als Chefredakteur des genannten Nachrichtenmagazins, das korrupte griechische System beim Namen zu nennen.
Was lernen wir daraus? Ein kleiner Kommentar aus Rhade dazu.
Vermutlich ist es richtig, mit weiteren Rettungspaketen Griechenland vor dem absoluten Kollaps zu bewahren. Aber nicht weil wir den Griechen so wohl gesonnen sind, sondern weil unsere Furcht, mit in den Strudel gerissen zu werden, riesengroß und berechtigt ist.
Was sagen unsere Europaabgeordneten eigentlich dazu?
Interessant ist, dass vor wenigen Monaten Ungarn am EU-Pranger stand, weil dort die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wird. Wenn schon, dann sollten alle EU-Mitglieder mit gleichem Maßstab gemessen werden.
Spätestens jetzt wird klar, dass Griechenland nie und nimmer, auch nur annähernd, die Beitrittskriterien der EU erfüllt hat. Weder wirtschaftlich noch moralisch. Griechenland hat die EU betrogen und die EU wollte betrogen werden.
Grund genug, einmal innezuhalten und nicht schon wieder anderen Ländern, wie Kroatien, Türkei und Co, zu signalisieren, auch bald Mitglied werden zu können.
Dirk Hartwich
*Quelle: Ein Bericht des Chefredakteurs des griechischen Nachrichtenmagazins Hot Doc, Kostas Vaxevanis, in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 29.11.2012