Warum lassen wir uns das gefallen?
Die Wochenendgedanken aus Rhade könnten sich wieder mit den autoritär regierenden Präsidenten Putin, Erdogan, Xi Jinping oder auch Donald Trump beschäftigen. Das Unrecht, das von diesen Personen und Staaten ausgeht bewegt sich in der Bandbreite Krieg, Unterdrückung und Erpressung. Stattdessen wandern diesmal die Gedanken zur Innenpolitik. Und zwar zu einer immer weiter auseinander klaffenden Gerechtigkeitslücke. Während der abhängig Beschäftigte Zeit seines Arbeitslebens Sozial- und Rentenbeiträge zahlt und immer damit rechnen muss bei Konjunktureinbrüchen seinen Arbeitsplatz zu verlieren, sind Beamte von den genannten Zahlungen und Sorgen freigestellt. Während der erstgenannte Arbeitnehmer sich am Ende seines Berufslebens nach 40 Dienstjahren mit einer Durchschnittsrente von 1.102 Euro/Monat brutto zufrieden geben muss, beträgt sie bei einem Beamten 3.240 Euro brutto. Hinzu kommt, dass der Beamte privat versichert ist und in der Regel keine langen Zeiten im Wartezimmer der Ärzte verbringen muss. Neid? Nein, es ist die offene Frage, warum wir in unserem Land es einfach nicht schaffen, die aufgezeigte Gerechtigkeitslücke nach und nach zu schließen. Während für "die da unten" ständig die Lebensarbeitszeit nach oben geschraubt wird, werden Beamte im höheren Dienst, wie Richter Staatsanwälte, Professoren und andere mit 67 in Pension geschickt. Dafür dürfen sie sich über 72 % ihres letzten Bruttolohns als monatliche Pension freuen. Zur Erinnerung: Bei Rentnern werden sogar ständig die 48% kritisch hinterfragt. Ein heißes Eisen. Aber es muss endlich angepackt werden. Soziale Ungerechtigkeit führt erst zu Frust, dann zur Wahlenthaltung, um am Ende das Heil bei den Antidemokraten zu suchen.
Quelle: ZEIT-Bericht vom 17.07.2025 „Beamte sollten bis 70 arbeiten …“ von Prof. Martin Schröder, Uni Saarland