Dirk Hartwich, Vorstandsmitglied der Rhader SPD und Schreiber des Leserbriefs Die Schulpolitik - Die Systemfrage -
Das Streitgespräch
zwischen Dr. Hans-Udo Schneider (Bürgermeisterkandidat der SPD und der Grünen) und Christian Heddier (schulpolitischer Sprecher der CDU – warum eigentlich nicht mit L. Lütkenhorst?)
WAZ vom 25.April 2009
Eine kurze Kommentierung
Schneider: Das Schulsystem ist ungerecht.
Es lässt zu viele liegen.
Noch immer entscheidet die Herkunft (der Geldbeutel) über den Schulabschluss. Forderung: U. a. längeres gemeinsames Lernen in der Grundschule (6 Jahre).
Heddier: Unser Schulsystem hat sich bewährt. Es muss nur an einigen Stellen
(Hauptschule) verbessert werden. Längeres gemeinsames Lernen ist nachteilig für gute Schüler.
Die Beweise
Schneider: Unsere Grundschulen erhalten in allen nationalen und internationalen Prüfungen, Untersuchungen, Studien, Vergleichen die besten Noten. Das frühe Aussortieren nach 4 Jahren in ein 3-gliedriges Schulsystem
wird als falsch und diskriminierend gebrandmarkt. (PISA, Dahrendorf-
Kommission….)
Heddier: Prof. Lehmann Berlin, ein renommierter Wissenschaftler, hat in einer viel beachteten Untersuchung bestätigt, dass gute Grundschulkinder nicht
von einem längeren gemeinsamen Lernen profitieren würden, sondern im
Gegenteil einen Lernvorsprung bis zur 2 Jahren verspielen würden.
Die Wirklichkeit
Heddier und damit die CDU lassen sich von einer Studie leiten, die vor einem Jahr große Aufmerksamkeit erzielte. Das haben aber andere Experten nachgeprüft. Nicht irgendwer, sondern u. a. Jürgen Baumert, Direktor des Max Planck Institutes, besser als der PISA-Papst bekannt. Auf Grundlage des gleichen Datenmaterials zeigen sie sich erschüttert über die Schlussfolgerungen von Prof. Lehmann. „Noch nie haben sich in mehr als 30 Jahren zwei empirische Untersuchungen auf gleicher Datengrundlage so eklatant widersprochen – Die neue Analyse entzieht Lehmanns Interpretation den Boden“.
Und weiter: Das längere gemeinsame Lernen ist gut für die so genannten Kellerkinder und Nachteile für die guten Grundschüler lassen sich nicht feststellen.
Die Schlussfolgerung
Eine unaufgeregte Diskussion über eine bessere Schule ist immer gut. Ein politischer Schulkrieg mag Vorteile für die Parteien bringen, wird in der Regel aber immer auf dem Rücken der Schüler, der Eltern ausgetragen.
Der CDU ist zu raten, sich nicht nur von Studien leiten zu lassen, die sich inzwischen als falsch herausgestellt haben, sondern von nachprüfbaren Zahlen. Wer geht zur Hauptschule? Wer bekommt keinen Ausbildungsplatz?
Hans-Udo Schneider sollte nicht nachlassen, für mehr Gerechtigkeit auch in der Schule zu sorgen und weiter versuchen, eine parteiübergreifende Zielformulierung für Dorsten zu finden.