Wenn Texte und Musik eine Einheit bilden
Es war ein besonderer Abend, den der Verein „Altes Rathaus Dorsten“ veranstaltet hat. An Mascha Kaleko, eine außergewöhnliche Lyrikerin (1907 -1975), mal ganz oben in der öffentlichen Wahrnehmung, dann fast vergessen, erinnerte eindrucksvoll die Schauspielerin und Sängerin Sabine Paas. Sie rezitierte die Texte der Dichterin so mitfühlend, dass sich die Zuhörer ihr ganz nah fühlten. Ihre Lebensgeschichte besteht aus so vielen Facetten und Brüchen, dass sich, neben der Begeisterung für ihr künstlerisches Schaffen, tiefes Mitgefühl festsetzte. Begleitet wurde Sabine Paas von Ralf Gscheidle, der mit seinem Akkordeon ein ganzes Orchester ersetzte, es aber so zurückhaltend einsetzte, dass der rezitierte Text immer im Mittelpunkt blieb. Mascha Kaleko wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, kämpfte um Anerkennung, die sie mit Ehrgeiz und Hartnäckigkeit auch erreichte. Im Berlin der 30er Jahre schaffte sie es aus der Anonymität herauszutreten. Ihre Gedichte fanden ihr Publikum. Die Nazis gehörten aber nicht zu ihren Bewunderern. In der Folge suchten viele Künstler ihr Überleben in der Emigration. Mascha Kaleko, mit jüdischen Wurzeln, gehörte dazu. Leider fand sie sich in den USA nicht so zurecht, wie sie es sich vorgestellt hat. In den 50er Jahren kehrte sie nach Europa zurück. Mehrfach unglücklich verliebt, starb sie 1975. Ihre Texte leben weiter und somit auch Mascha Kaleko. Die Zuhörer im vollbesetzten Jüdischen Museum dankten mit lang anhaltendem Applaus.
Dirk Hartwich