Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe hat Frank Schwabe, MdB und Kreisvorsitzender der SPD, in Kooperation mit dem DGB Emscher-Lippe alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zur Süder Lesung eingeladen!
Als Gast las diesmal Erhard Eppler* aus seinem Buch „Eine solidarische Leistungsgesellschaft: Epochenwechsel nach der Blamage der Marktradikalen“.
Frank Schwabe führte in die Veranstaltung ein und versprach, daraus eine „Fortsetzungsgeschichte“ zu machen. Recklinghausen Süd hat sich dafür als Veranstaltungsort bewährt.
Dann spricht Erhard Eppler. Er ist inzwischen 85 Jahre alt. Von seiner Dynamik und seinem sympathischen Auftreten hat er nichts eingebüßt. Im Gegenteil. Er besticht durch klare Analysen und Bewertungen.
Ob Schulden, Eurokrise, Bankenkrise, Energiewende – Erhard Eppler ist auf der Höhe der Zeit und liest dabei unermüdlich den Verursachern der Krise die Leviten.
Am Beispiel des Ölpreisanstiegs zeigte er eine ganze Problemkette auf.
Seit 1974 ist er von 2 auf 100 Dollar je Barrel gestiegen. Beim ersten Ölpreisschock wurde autofreie Sonntage beschlossen. Trotzdem stieg der Preis weiter und weiter. Das verursachte mehrere Wirtschaftskrisen.
Die Formel: Ohne Wachstum kein positive Weiterentwicklung, bewahrheitete sich dramatisch – bis heute.
Übrigens war es Erhard Eppler, der bereits 1974 (!) von erneuerbaren Energien gesprochen und Alternativen aufgezeigt hat.
Seit 1970 wurde das Wirtschaftswachstum mit einer immer höher steigenden Verschuldung gefördert. Er sprach dabei von der Schuldenspirale, die alle westlichen Länder an den Rand des Ruins bringen.
Ein Abflachen des Wachstums wäre eine Lösung, so Eppler.
Immer mehr kann auf Dauer nicht funktionieren.
Ein weiteres Beispiel:
Früher haben die Spitzenmanager das 20-fache des Gehalts eines Facharbeiters „verdient“. Heute teilweise das 200-fache. Das ist nicht in Ordnung und löst eine negative Motivation bis ganz nach unten aus.
Steigt die Lebensqualität auch ohne Wirtschaftwachstum?
Eine interessante Frage, denn trotz Wirtschaftswachstums hat sich die Lebensqualität seit den 70er Jahren nicht verändert.
Sein Lösungsansatz: Eine solidarische Leistungsgesellschaft!
Wobei die Betonung auf SOLIDARISCH zu setzen ist.
Seine Lesung fesselt die Zuhörer.
Die anschließende Diskussion zeigt eindringlich, dass Erhard Eppler mit seiner Einschätzung den Nerv der Zuhörer getroffen hat.
Die Kritik am Zustand der Gesellschaft wird auch an den Ratingagenturen festgemacht, die die Länder mit ihren teilweise unverständlichen Benotungen in den Ruin schicken. Griechenland, Spanien und andere sind aktuelle Beweise.
Die Lösung, so Eppler, kann nur ein stärkeres, solidarischeres Europa sein.
Interessant auch seine Äußerung zu der Nebeneinkünften der Politiker.
„In der Politik reich zu werden, ist nahezu unmöglich. Im Gegensatz zu den Spitzenmanagern der Wirtschaft“.
Er appellierte, alle Anstrengungen zu machen, damit die SPD wieder an die Regierung kommt und die wirtschaftspolitischen Übertreibungen der letzten Jahre langsam zurückfährt.
Frank Schwabe zeigte sich sichtlich beeindruckt und verabschiedete Erhard Eppler sehr herzlich.
Das war eine tolle Veranstaltung. Auf den nächsten Leseabend freue ich mich schon.
Jürgen Heinisch
*Erhard Eppler, ehemaliger SPD-Minister und langjähriges Mitglied des Bundestages: Erhard Eppler bei Wikipedia