Für Sie - am gestrigen Welttag des Buches - gelesen:

Gesellschaft


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„Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“

Navid Kermani ist in mehrfacher Hinsicht ein ausgezeichneter Schriftsteller, der auch schon einmal als möglicher Bundespräsident im Gespräch war. Der Titel seines neuesten Buches elektrisiert. „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“ - eine islamische Weisheit aus dem 11. Jahrhundert, die zwar alt an Jahren, aber zeitlos jung ist. Sie könnte heute auf allen Ebenen als gesellschaftspolitische Zielsetzung Verwendung finden, ohne missverstanden zu werden. Das Buch ist streng genommen ein religiöser Führer durch den Islam und alle bekannten Glaubensrichtungen. Im fiktiven Gespräch mit seiner 12jährigen Tochter erklärt Navid Kermani den Koran, vergleicht wichtige Passagen mit der Bibel, der Thora und den fernöstlichen heiligen Schriften. Seine Ausflüge in die Naturwissenschaften ergänzen das Mystische des Glaubens nachvollziehbar und verständlich. Dabei räumt er mit vielen Vorurteilen auf, wirbt für Toleranz und Menschenliebe. Sein Ringen mit dem Glauben ist an Offenheit und Ehrlichkeit nicht zu überbieten. Seine Ausführungen zwingen den Leser, wenn er sich darauf einlässt, sich selbst zu prüfen. Glaube ich an Gott? Habe ich mir überhaupt schon einmal ernsthaft diese Frage gestellt? Spannend, die Gedanken des Autors nicht nur zu lesen, sondern persönlich weiterzuentwickeln.

Dirk Hartwich

Navid Kermani: Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen, Hanser Verlag, 238 Seiten, gebundene Ausgabe 22 Euro

 
 

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