Für Sie gelesen - Ernüchterung über Lese- und Informationsverhalten der Jugend

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Ein Hingucker - Das neue fiftyfifty-Titelbild

Vorwort in neuer fiftyfifty-Straßenzeitung zwingt zum Nachdenken

Liebe Leserinnen und Leser, 

neulich besuchte ich wieder eine weiterführende Schule, um Schüler*innen im Bereich Gestaltung und Design dazu zu motivieren, Werbe-Postkarten und neuerdings Social Media Posts für fiftyfifty zu kreieren. Die zum Teil großartigen Ergebnisse der letzten Jahrgänge haben wir stets in dieser Zeitung und auf Facebook veröffentlicht. In diesem Jahr allerdings musste ich eine bittere Erfahrung machen. Die jungen Leute, eigentlich hoch motiviert, baten um ein anderes Thema. Sie könnten mit dem Medium Zeitung nichts anfangen. Ich wollte es genauer wissen und fragte, wer denn überhaupt unsere Straßenzeitung ab und zu lesen würde. Das Ergebnis war ernüchternd, geradezu niederschmetternd. Niemand. Junge Leute lesen keine Medien mehr auf Papier und für digitale Inhalte sind sie nur selten bereit, Geld zu bezahlen. Was bedeutet das für die Zukunft von fiftyfifty, für die Zukunft von Straßenzeitungen? Ich befürchte, wir kommen wohl nicht umhin, festzustellen, dass wir den Anschluss an die junge Generation verloren haben. Dabei ist die Bereitschaft, Obdachlosen auf der Straße zu helfen, groß. Im letzten Monat haben wir zusätzlich zum Magazin 10.000 Aufkleber der Toten Hosen angeboten. Sie waren nach nur einer Woche vergriffen. Auch unser Straßenhunde-Kalender läuft gut, da das Medium Kalender eben prinzipiell noch funktioniert. So lange wir keine Alternative haben, womit Obdachlose auf der Straße Geld verdienen können, ist es wichtig, für den Erhalt von fiftyfifty und Straßenzeitungen zu kämpfen. Jeden Monat werden durch den Verkauf dieser Zeitung völlig unbürokratisch über 100.000 Euro umverteilt – zwischen Menschen, die etwas haben, und sei es nur wenig, und Menschen, die nichts haben. Das müssen wir erhalten. Zudem ist es wichtig, dass Begegnungen stattfinden. Dabei ist Hilfe durchaus keine Einbahnstraße. Die obdachlosen Verkäufer*innen leisten einen wichtigen Beitrag als Straßenseelsorge*innen, Kummerkästen und Expert*innen in Sachen Einsamkeit und Not. Danke, dass Sie fiftyfifty gekauft haben. Danke, dass Sie sich für unsere wichtigen, guten und kritischen journalistischen Inhalte interessieren. Bitte empfehlen Sie uns weiter. Bitte kaufen Sie, wenn möglich, zwei Zeitungen pro Monat und verschenken Sie eine. Damit unser Projekt fiftyfifty nicht untergeht.

Herzliche Grüße, Ihr

Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von fiftyfifty

Nachsatz: Wir unterstützen solidarisch die wichtige Arbeit von fiftyfifty und allen Wohnungslosen-Initiativen und bitten unsere Leser, die Straßenzeitung immer zu kaufen und/oder das beeindruckend günstige Jahresabo der fiftyfifty-Digitalausgabe zu buchen. Eine Zeitung, die monatlich erscheint, hervorragend gemacht ist und den wichtigen Blick über den Tellerrand unserer Gesellschaft schweifen lässt.

https://www.fiftyfifty-galerie.de/

 
 

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