Er ist ein vielseitig ausgezeichneter Schauspieler. Er ist aber auch der Sohn von Rut und Willy Brandt. Eine Konstellation, die Matthias Brandt bislang bewusst trennte, um seinen eigenen Weg zu finden. Öffentliche politische Bewertungen vermied er. Als aber vor einem Jahr die Bitte an ihn herangetragen wurde, auf der Gedenkveranstaltung in Berlin-Plötzensee am 20. Juli eine Rede zur Erinnerung an die dort bestialisch ermordeten Hitler-Widerständler zu halten, begann ein intensiver Nachdenkprozess über sich, seine Familie und seine bislang öffentliche gesellschaftspolitische Abstinenz. Seine Gedanken hat Matthias Brandt anschließend im Buch NEIN SAGEN festgehalten. Sehr persönlich und offen, sehr nachdenklich und informativ, sehr berührend und motivierend. Ein kleines Buch, das neben der späten Liebeserklärung an Rut und Willy Brandt auch die Erkenntnis beinhaltet, nicht länger politisch abseits stehen zu dürfen, um dem Erbe seiner Eltern und der in Plötzensee hingerichteten mutigen Menschen gerecht zu werden. Das Engagement heute NEIN gegenüber Demokratieverächtern (AfD) zu sagen, ist nicht annähernd mit dem Mut der Widerstandsgruppe des 20. Juli zu vergleichen. Hier ohne Konsequenz, dort mit dem Tod bedroht. Matthias Brandt gesteht, vor seiner Gedenkrede nervös und voller Zweifel gewesen zu sein. Danach, so der Titel des letzten Buchkapitels, lautet sein Fazit: „Wenn wir weiter in einer freien Gesellschaft leben wollen, müssen wir sie auch verteidigen. Jeder auf seine Art, jeder so wie er kann. Aber ich glaube nicht, dass abwarten und heraushalten noch ein Weg ist.“ Sehr lesenswert!
Dirk Hartwich