Hat Dorsten Zukunft? (Teil 3 und Schluss)

Kommunalpolitik

Holger Lohse, Technischer Beigeordneter der Stadt Dorsten. Foto Stadt Dorsten.

Holger Lohse, technischer Beigeordneter, blickt optimistisch nach vorn

Einer der die Lippestadt an allen Ecken und Enden kennt, ist der technische Beigeordnete der Stadt Dorsten. Holger Lohses Aufgabengebiet ist äußerst anspruchsvoll. Alle Entscheidungen zur Zukunftssicherung Dorstens, die durch seine Hände gehen, sind nicht sofort vorzeigbar, weil mit längeren „Lieferzeiten“ verbunden. Das erfordert großen Erklärungs- und Überzeugungsbedarf. Wir haben Holger Lohse drei Fragen gestellt, dessen Antworten wir in dieser Woche in drei Teilen veröffentlichen werden. Heute Teil 3 und Schluss.

Frage: Die Dorstener Einwohnerzahl stagniert, bzw. sinkt leicht. Wäre (Einwohner)Wachstum eine gute Lösung? Wenn ja, an welchen Stadtentwicklungsschrauben müsste dann gedreht werden?

Holger Lohse: Hier handelt es sich um eine sehr komplexe stadtentwicklungspolitische Thematik. Um der Fragestellung angemessen zu begegnen, muss eine Vielzahl von Aspekten definiert, bewertet und gegeneinander abgewogen werden. Die Einwohnerzahlen sind in Dorsten seit vielen Jahren relativ stabil. Wir hatten einen deutlichen Anstieg von knapp 1000 Menschen und seit Ende Juni 2024 einen deutlichen Rückgang um 1000 Menschen, da die Landesunterkunft im Marienviertel mit fast 1000 Plätzen weggefallen ist. Einwohnerwachstum hat im Rahmen der gegebenen Regularien der Gemeindefinanzierung deutliche Vorteile. Darüber hinaus ist es für ein wachsendes Gemeinwesen einfacher, das soziale Leben zu sichern und zu fördern (Ausnutzung von Angeboten und Einrichtungen, Vielfalt der Aktivitäten, Innovationen). Die wirtschaftlichen Aspekte sind offenkundig, beispielsweise im Hinblick auf das Arbeitskräfteangebot, die Handelsnachfrage usw. Umgekehrt sind auch negative Effekte in den Blick zu nehmen. Eine Voraussetzung für Einwohnerzuwächse ist z.B. die vermehrte Ausweisung von Bauflächen „auf der grünen Wiese“ und/oder im Wege der Innenverdichtung. Beides ist nicht selten mit ökologischen Nachteilen verbunden und kann den Charakter des Landschafts- und Siedlungsraumes mindestens verändern, teilweise auch beeinträchtigen. Zusätzliche Einwohner bzw. Baugebiete führen zugleich auch zu einem steigenden Investitions- und Unterhaltungsaufwand mit Blick auf die technische und soziale Infrastruktur. Eine zügellose Ausweisung von Neubaugebieten in Dorsten hätte zudem einen Wegzug in anderen Städten zur Folge. Das würde am Ende die Regionalplanung nicht genehmigen. Somit eine theoretische Antwort, die aber praktisch in der Umsetzung nicht genehmigt werden würde. Den für Dorsten zu wählenden strategischen Ansatz bestimmt insgesamt der Rat der Stadt. Er bewegt sich dabei innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen der Landes- und Regionalplanung.

Wir danken Holger Lohse für seine offenen und informativen Antworten

 
 

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