Ihr scheinbar schüchternes Auftreten, ihr Augenaufschlag, ihre leise Stimme lassen vermuten, eine offene und rundherum freundliche, kooperative Person vor sich haben. Dazu ein passender, modischer Dresscode, schon verfestigt sich das beschriebene Bild. Wer aber genauer hinsieht und besonders hinhört, wird seine Bewertung ändern müssen. Katharina Reiche, ihres Zeichens Bundeswirtschaftsministerin, ist eine „ausgekochte“ Lobbyistin der Energiewirtschaft. Ihr Aufstieg zur Ministerin ist atemberaubend. Als langjährige Bundestagsabgeordnete der CDU stand sie nie in der ersten Reihe. Dann der Wechsel zur Energiewirtschaft. Zurück auf die politische Bühne durch Friedrich Merz, der sie völlig überraschend zur Wirtschaftsministerin berufen hat. An ihr vorbeigegangen sein muss, dass in einer Koalition mit SPD und CSU Teamwork gelebt werden muss. Ihre Alleingänge bringen regelmäßig die Sozialdemokraten auf die Palme. Aber auch das Murren in der CDU/CSU ist nicht mehr überhörbar. Katharina Reiche erweckt den Eindruck, nur widerwillig auf erneuerbare Energien zu setzen, stattdessen ist sie eine unermüdliche Förderin der Energiewirtschaft. Nun hat sie mit der Vorlage des Gesetzentwurfes „Tankdeckel“, eine Forderung der SPD, letzte Zweifel an ihrer Präferenz für die Energiewirtschaft beiseite geräumt. Scheinbar, besser ist der Begriff scheinheilig, kommt sie mit dem Gesetzentwurf der SPD entgegen, um dann aber mit genau berechnenden Hürden die Initiative der SPD (und der gesamten Koalition) ins Leere laufen zu lassen. So trägt sie den Titel Provokationsministerin zu Recht. Der Kanzler ist gefragt!
Wochenendkommentar aus Rhade