Auch mit Infoständen versuchen die Parteien Probleme aufzuzeigen - "geliebt" werden sie dennoch nicht
Beunruhigende Nachrichten häufen sich – Schönreden ist Selbstbetrug
In Schermbeck ist es eine unabhängige Wählergemeinschaft, die sich, mangels Masse, auflösen will. In Raesfeld erkennen die Grünen, nicht genug Kandidaten für die bevorstehende Kommunalwahl aufbieten zu können.
Was in den Nachbargemeinden bereits real ist, wird auch Dorsten erreichen.
Wie anders ist zu erklären, dass die Grünen hier keinen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt aufstellen können und die örtliche FDP mangels Helfer auf die übliche Plakatwerbung verzichten will. Während die Grünen offen mit dem Problem umgehen, versuchen die Liberalen das noch zu kaschieren, indem sie daraus eine Strategie „stricken“ wollen.
Selbstbetrug, so Beobachter der Szene, der aber nicht nur bei den kleineren Parteien zu beobachten ist.
Bei den so genannten Volksparteien sind die Mitgliederzahlen seit Jahren im Sinkflug. Das ist nicht nur mit Enttäuschung über Programm und Personen zu begründen, sondern mit einer Überalterung der Mitglieder. Wenn die Zahl der Neumitglieder permanent niedriger ist als die Zahl der Austritte und Sterbefälle, kann sich jeder selbst ausrechnen, wann der kritische Zeitpunkt einer Partei gekommen ist.
Ist der turn around, der Umkehrpunkt, wie es in der Wirtschaft heißt, erkennbar?
Nein, lautet ernüchternd die klare Antwort.
Noch vor einigen Jahren war es völlig normal, dass besonders die größeren Parteien bei der Aufstellung von Kandidaten unter mehreren Bewerbern auswählen konnten.
Heute mühen sich alle Parteien, manchmal verzweifelt, den gestellten Aufgaben gerecht zu werden. Immer weniger Personen müssen immer mehr leisten. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, versteht sich von selbst.
Was muss sich ändern?
Bürgerinnen und Bürger, die sich auf der kommunalen Ebene ehrenamtlich und unentgeltlich für das Gemeinwesen einsetzen, haben als Erstes, mehr Respekt verdient.
Warum muss sich z. B. ein CDU-Mitglied in Rhade, das sich für den eigenen Lebensmittelpunkt einsetzt, für eine möglicherweise ungerechte Steuerpolitik in Berlin rechtfertigen? Oder warum muss z. B. ein SPD-Mitglied aus Rhade, dass sich für den Breitensport vor Ort engagiert, für ein Gesetz aus Düsseldorf gerade stehen, das eine Dichtheitsprüfung der Hausabwasserkanäle regulieren will?
Es ist aber nicht nur die fehlende öffentliche Anerkennung.
Während Bürgerinitiativen sich mit einem Problem vor Ort intensiv beschäftigen können, aktuelles Beispiel Dichtheitsprüfung, müssen die Parteien alle Themenfelder im Auge haben, um den Auftrag, eine Verwaltung auch zu kontrollieren, gerecht zu werden. Dazu gehört der Sport, die Bildung, die Kultur, der Verkehr, der Umwelt- und Klimaschutz, die Wirtschaftsförderung, die Finanzen und, und, und.
Wer, wenn nicht die Parteien, sollen denn die genannten Aufgaben erfüllen? Unser tolles demokratisches Gemeinwesen kann nur funktionieren, wenn es den Parteien künftig wieder gelingt, junge Menschen davon zu überzeugen, dass Politik, besonders Kommunalpolitik, nicht mit „schmutzigen Geschäften“ in einen Sack geworfen werden darf. Die Verantwortung, dass sich was dreht, tragen wir alle.
Dirk Hartwich