Mein Treffen mit Mr. President Barack Obama

Bundespolitik

Peer Steinbrück über sein persönliches Treffen mit dem US-Präsidenten:

Gestern war Barack Obama zu Besuch in Berlin. Nach seiner Rede am Brandenburger Tor habe ich mich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu einem 40-minütigen Gespräch in der Repräsentanz der Commerzbank getroffen.

Wir haben in lockerer und entspannter Atmosphäre ein sehr interessantes Gespräch führen können. Barack Obama zeigte besonderes Interesse an meiner Einschätzung zur Lösung der europäischen Schuldenkrise und zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa.
Ich habe dem amerikanischen Präsidenten geantwortet, dass ich angesichts der Jugendarbeitslosigkeitsquoten in Europa von teilweise über 50 Prozent eine nur auf das Sparen gerichtete Politik für falsch halte. Eine solche Politik kann uns mehr kosten als nur Geld. Sie kann uns die politische Stabilität in Europa kosten. Notwendig ist eine Doppelstrategie: Neben Haushaltskonsolidierung müssen Wachstumsimpulse gesetzt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln und den jungen Menschen wieder Hoffnung zu geben. Obama hat klar zu erkennen gegeben, dass er es für eine sehr gute Nachricht hält, wenn sich diese Einsicht in Europa durchsetzt.
Barack Obama hat mich zudem gefragt, welche Themen meiner Ansicht nach die Bundestagswahl entscheiden werden.
Ich habe ihm gesagt, dass es wirtschaftliche und soziale Themen sein werden, die die Lebenswelt der Menschen direkt betreffen und diese Wahl entscheiden werden. Es geht nicht um „Alice im Wunderland“, sondern darum, wie wir ein weiteres Auseinanderdriften unserer Gesellschaft verhindern können. Deshalb steht bei der SPD das WIR im Zentrum unseres Wahlkampfes.
In dem Gespräch ging es auch um die transatlantischen Beziehungen. Der amerikanische Präsident hat deutlich gemacht, dass er Europa weiterhin als den engsten und wichtigsten Partner der USA ansieht.

Als Gastgeschenk habe ich Barack Obama ein Foto überreicht. Es zeigt den ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin und späteren Bundeskanzler Willy Brandt bei einer Autofahrt durch West-Berlin. Entstanden ist das Foto bei Kennedys historischem Berlin-Besuch vor ziemlich genau 50 Jahren.
Zum Abschluss unseres Gesprächs habe ich dem Präsidenten noch einen Buchtipp gegeben. Ich habe ihm das sehr lesenswerte Buch „In the Garden of Beasts: Ein amerikanischer Botschafter in Nazi-Deutschland“ von dem amerikanischen Schriftsteller Erik Larson empfohlen. Das ist die beste mir bekannte Beschreibung der bedrückenden Atmosphäre im Nazi-Deutschland der dreißiger Jahre. Obama hat die Bestellung des Buches umgehend beim amerikanischen Botschafter Philip Murphy in Auftrag gegeben.

Peer Steinbrück

 
 

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